Von Punkrock-Frühschoppen bis Headliner-Gitarrengewitter

Das Fair-Weather-Fest vereint auch am zweiten Tag die überregionale Punk-, Emo- und Hardcore-Szene mit abwechslungsreichem und durchgängig starkem Programm. Der Vorverkauf für die dritte Ausgabe im kommenden Jahr ist bereits gestartet.

City Light Thief im Lagerhaus

Bremen. Nach dem großen Erfolg der Premiere im Sommer 2025 ist das Fair-Weather-Fest an diesem Wochenende ins Bremer Viertel zurückgekehrt. Das liebevoll organisierte Indoor-Festival vereint auf besondere Weise die überregionale Punk-, Emo- und Hardcore-Szene und erschafft dabei einen ganz eigenen subkulturellen Mikrokosmos. Mit dem Kulturzentrum Lagerhaus, der Lila Eule, dem Calavera und dem Eisen wurden in diesem Jahr erstmals alle vier Spielstätten an beiden Festivaltagen bespielt. Die kurzen Wege zwischen den Locations verleihen dem Festival seinen besonderen Charme. Ergänzt wird das Konzertprogramm durch Auftritte in Plattenläden, Tattoo-Specials, Lesungen und weitere Aktionen.

Vor allem aber lebt das Fair-Weather-Fest von unglaublich viel Herzblut. Vier Menschen organisieren dieses Wochenende ehrenamtlich, ohne finanziellen Schutzschirm, allein aus Liebe zur Musik und zur Subkultur. Dafür gebührt dem Team größter Respekt. Für vergleichsweise kleines Geld bekommen Besucher*innen zwei Tage voller starker Bands, familiärer Atmosphäre und echter Szenekultur geboten. Bereits der Freitag überzeugte auf ganzer Linie, doch auch der Samstag sollte diesem Eindruck in nichts nachstehen.

Schon am Vormittag herrscht lebhaftes Treiben in der Friesenstraße. Dort findet nicht nur ein großes Straßenfest statt, sondern auch das Frühschoppen des Fair-Weather-Fests im Horner Eck. Bei bestem Sonnenschein sitzen und stehen zahlreiche Besucher*innen vor der Kneipe, während sich der Innenraum pünktlich zum Musikbeginn füllt. Den Auftakt macht Siebo mit drei Rap-Songs – Klänge, die an diesem Wochenende ansonsten nicht zu hören sind. Anschließend sorgt Emperor X für einen der ungewöhnlichsten Momente des Festivals. Mit Akustikgitarre steigt er zwischen den Gästen auf einen Barhocker, bevor sein kurzes Drei-Song-Set schließlich in verzerrten Sounds und Walgeräuschen mündet. Performance-Kunst zwischen intimem Konzert und Klangexperiment, ehe später am Tag noch ein vollständiger Auftritt im Lagerhaus folgen sollte.

Die meisten Besucher*innen sind jedoch vor allem für den Frühschoppen-Gig von Partyservice gekommen. Die Band besteht aus drei Vierteln des Organisationsteams: Laurin am Bass, Yannic am Schlagzeug und Christopher an Gitarre und Mikrofon. Während die Gruppe im vergangenen Jahr noch die Pre-Show im Eisen bestritt, steht nun ein Slot vorm bzw. im offiziellen Festivalprogramm auf dem Plan. Parallel dazu läuft ein Tattoo-Special, bei dem sich Besucher*innen ein exklusives Festivalmotiv stechen lassen können. Viele verfolgen das Geschehen entspannt draußen in der Sonne, andere drängen sich in die Kneipe. Das Ergebnis ist ein stimmungsvoller und rundum gelungener Start in den zweiten Festivaltag.

Am Nachmittag erhält schließlich auch der vierte Veranstalter seinen Programmpunkt. Claas, der nicht nur für HB-People, sondern auch die Kolumne „Ruhestörung“ im Trust Magazin schreibt, liest aus eigenen Texten. Dabei geht es um Musik, Schmerz und Erinnerungen, um den Ticketansturm auf die Muff-Potter-Reunion 2018 ebenso wie um schmerzhafte Gedanken ans Elternhaus oder Geschichten, die von der cineastischen Lyrik des The-Hold-Steady-Frontmanns Craig Finn inspiriert sind. Ein ruhiger, persönlicher Gegenpol zum sonst so lauten Festivalgeschehen.

Großen Zuspruch erfährt anschließend der Akustik-Auftritt von City Light Thief vor Black Plastic. Aufgrund des Andrangs und des guten Wetters wird das Konzert kurzerhand nach draußen verlegt. Die Band tritt zu viert auf, ausgestattet mit drei Akustikgitarren und mehrstimmigem Gesang. Sänger Benjamin übernimmt die Hauptstimme, während die übrigen Mitglieder immer wieder harmonisch einstimmen. Dass das Set recht kurzfristig angefragt und vorab noch im Hostelzimmer geprobt wurde, merkt man den Musikern nicht an. Es entstehen schöne Momente auf dem Bürgersteig, die perfekt zum familiären Charakter des Festivals passen.

Am frühen Abend eröffnen Scheitern aus Freiburg die Bühne der Lila Eule und feiern dabei ihre Bremen-Premiere. Die fünfköpfige Band verteilt den Gesang auf zwei Sänger und bewegt sich zwischen gesellschaftskritischen Texten und selbstreferenziellen Beobachtungen über die Herausforderungen des Bandalltags – trotz allem bleibt die zentrale Botschaft klar: Gründet Bands, gründet Kollektive! Der Kellerclub ist bereits hervorragend gefüllt und bietet die ideale Kulisse für den deutschsprachigen Indie-Punk der Freiburger.

Etwas härter wird es wenig später im Eisen. Useless Regrets eröffnen dort den Konzertabend mit temporeichem Hardcore-Punk. Die Songs rasen förmlich durch den Raum, getrieben von enormem Tempo. Gleichzeitig ist es für den Sänger und Bassisten der letzte Auftritt mit der Band. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt anschließend nicht, das Programm ist eng getaktet. In der Lila Eule sorgen Harker aus Brighton für eine ordentliche Portion Punkrock, der vor allem eines macht: Spaß.

Einer der emotionalen Höhepunkte des Tages folgt mit dem zweiten Auftritt von City Light Thief. Wie bereits Abramowicz am Vortag gehört auch die Band zu jenen Gruppen, die lange von der Bildfläche verschwunden waren und nun auf dem Fair-Weather-Fest eine ihrer ersten Shows seit längerer Zeit spielen. Nach dem Akustik-Set am Nachmittag steht die Band nun in voller sechsköpfiger Besetzung auf der Bühne. Mit der neuen EP „Greetings From Fevers Key“ im Gepäck liefern die Musiker eine intensive Mischung aus hektischem Post-Hardcore und melodieverliebtem Emo-Rock. Die Bühnenpräsenz ist packend, bewegungsintensiv und fesselnd. Zum Abschluss des halbstündigen Auftritts darf Sänger Benjamin außerdem die Nachricht verkünden, auf die viele gehofft haben: Das dritte Fair-Weather-Fest wird am 4. und 5. Juni 2027 stattfinden.

Im randvollen Eisen sorgen derweil Snareset für Begeisterung. Die Mischung aus Rock, Alternative und Hardcore passt perfekt in den kleinen Club. Die Band überzeugt mit starker Bühnenpräsenz, während sich selbst draußen vor dem Fenster kleine Circle-Pits bilden. Bremen und das Eisen dürfte die Gruppe aus Münster nach diesem Auftritt gerne bald wiedersehen!

Im Calavera stehen anschließend Skirt aus Hamburg auf der Bühne. Zwar kämpft die junge Hardcore-Punk-Band zunächst mit technischen Problemen, doch sobald diese überwunden sind, liefert sie umso eindrucksvoller ab. Der Kellerclub ist bis auf den letzten Platz gefüllt, während die Hamburger mit modernem Hardcore-Punk und einer beeindruckenden Gesangsleistung überzeugen. Besonders die kraftvolle Stimme von Sängerin Lena Harrison mit ihren punktgenau gesetzten Screams bleibt im Gedächtnis.

Den Abschluss des zweiten Festivaltages übernimmt schließlich Headliner Pabst aus Berlin im gut besuchten Lagerhaus. Nachdem die Band auf ihrer letzten Tour nicht in Bremen Halt gemacht hatte, fühlt sich dieses Wiedersehen umso schöner an. Vor der Bühne herrscht von Beginn an eine besondere Stimmung. Fans springen, feiern und singen mit, während die Band gewaltige Soundwände und verzerrte Gitarrengewitter durch den Saal schickt. Der hohe Spaßfaktor, die Energie und die Euphorie machen den Auftritt zum perfekten Schlusspunkt eines besonderen Wochenendes.

Auch aus Sicht der Veranstalter fällt das Fazit eindeutig aus: Die zweite Ausgabe des Fair-Weather-Fests hat alle Erwartungen übertroffen. Die Energie, das Miteinander und die unvergleichliche Atmosphäre sind beste Voraussetzungen für eine Fortsetzung. Das dritte Fair-Weather-Fest findet am 4. und 5. Juni 2027 statt. Der Vorverkauf für das kommende Jahr ist bereits gestartet.

Seht euch hier unsere Festivalbilder an:

 


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