Reload Festival – Unsere Eindrücke vom Freitag
Nach einen fulminanten Start des Festivals am Donnerstag gehen wir nun in den zweiten Tag des diesjährigen Reloads, u.a. mit The Halo Effect, Gojira und Machine Head.

Bremen. Starten wir den zweiten Festivaltag außergewöhnlich. Auf der Mainstage standen Hanabie aus Japan und ballerten in praller Sonne ihren Kawaii-Metal in das gut gefüllte Infield. Für manche schien die Mischung aus J-Pop-Refrains, knallharten Metalcore-Passagen, gepaart mit der Manga-Optik der vier Damen eher befremdlich. Dennoch haben Hanabie gut abgerissen und auf jeden Fall einen guten Einstieg in einen ereignisreichen Tag geliefert.
Nun aber schnell rüber zur Plaza Stage, hier stand eines meiner vielen Tageshighlights in den Startlöchern. Rivers Of Nihil starteten rasant mit dem Opener „The Sub‐Orbital Blues“ vom diesjährigen, selbstbetitelten Album. Allgemein war das Set der amerikanischen Tech-Deather sehr stark vom aktuellen Output geprägt. Grund dahinter ist nicht nur, den Langspieler zu pushen, sondern auch die Umbesetzung der Truppe, einhergehend mit einem Sängerwechsel. Mir sollte das recht sein, da ich persönlich das Album „Rivers Of Nihil“ zu den stärksten Werken der Herren zähle. Als das Doppelpack aus „Water & Time“ und „House Of Light“ angestimmt wurde, bekam ich trotz gefühlten 30°C und praller Sonne eine Gänsehaut. Alle Passagen waren dermaßen auf den Punkt gespielt, der neue Doppelgesang ist einfach nur eine Wucht und die live gespielten Saxophon-Elemente gingen runter wie Öl. Einfach super! Weiter ging der Ritt über den Brecher „American Death“, bis mit „Where Owls Know My Name“ das Ende der Show angekündigt wurde.
Für uns ging es im Laufschritt wieder rüber zur Mainstage, denn hier standen nun The Halo Effect auf den Brettern. Gleich starteten die Schweden mit einem ihrer stärksten Songs, „Feel What I Believe“. Auch spürte man von Beginn an die Freude am Spiel aller Beteiligten auf und vor der Bühne, trotz der noch relativ frühen Tageszeit. Sänger Mikael Stanne stolzierte unentwegt von Bühnenseite zur Bühnenseite und growlte dabei eine Göteburger Melo-Death-Hymne nach der anderen von der gewaltigen Mainstage. Leider machte der doch relativ stark aufziehende Wind den Herren einen Strich durch die Rechnung, denn man spürte, wie jede Böe den Sound zu einem dumpfen Matsch werden ließ. Schade, denn was die fünf Herren von der Bühne zimmerten, ließ einfach jeden Fan des melodischen Deathmetals das Wasser im Mund zusammen laufen. Kein Wunder, denn hier standen allesamt ehemalige Mitglieder von In Flames auf der Bühne. Auch war das Set der Schweden schön ausgewogen, sodass die Tracks der beiden Longplayer gut zur Geltung kamen. Als Abschluss gab es noch den Hit „Shadowminds“ serviert und die fünf verließen unter lautem Jubel und Rufen nach einer Zugabe die Bühne.
Wieder drüben an der Plaza Stage angekommen, standen schon The Exploited in den Startlöchern. Gewohnt rumpelig-rotzig legten die Punk-Legenden aus Edinburgh los. Sänger Wattie pöbelte gegen alles und jeden, während er wie ein Barschläger auf der Suche nach dem nächsten Opfer über die Bühne stapfte. Songs wie „Beat The Bastards“, „Fuck The System“ oder „Fuck The USA“ hinterließen keine Fragen und wurden von den Anwesenden mit Inbrunst mitgegrölt. Leider merkt man den Herren ihr Alter schon etwas an, denn nach guten 15 Minuten schienen die Musiker merklich erschöpft und die Bewegungen wurden langsamer und gediegener. Naja, wenn man seit 1978 unterwegs ist, darf man das auch ein wenig. Dennoch zog es den Gesamteindruck etwas herunter. Schade!
Kommen wir nun zu meiner persönlichen Nummer eins des Tages. Gojira legten bei grandiosem Sound mit „Only Pain“ vom „Magma“-Album los. Für mich war es die erste Liveshow, welche ich von Gojira miterleben durfte, und ich war sofort von der Präzision und Brutalität überrascht, die die französischen Prog-Metaller an den Tag legten. Vom Übertier Mario Duplantier an den Drums muss ich ja gar nicht erst anfangen. Der Trip ging weiter über Brecher wie „Stranded“, „Flying Whales“ und „Another World“, bei welchem auf dem riesigen LED-Screen im Hintergrund der Bühne passende Animationen im Stil des Musikvideos eingeblendet wurden. Nachdem noch kurzerhand „Silvera“ aus dem Ärmel geschüttelt wurde, begann des epische Intro „Mea culpa (Ah! Ça ira!)“. Den meisten sollte dieser Track von der grandiosen Performance zur Eröffnungsshow der letzten Olympischen Spiele bekannt sein. Auch hier gab es ein wahres Flammeninferno, während die Band auf ihrem stilvollen Bühnenaufbau thronte. Ab dann ging es leider auch schon in den Endspurt, ohne aber die Zügel nur ein klein wenig locker zu lassen. Den Abschluss bildete das grandiose „L’Enfant Sauvage“, mit einem direkten Übergang in „The Gift Of Guilt“. Was für eine geniale Show, die die Franzosen abgeliefert haben! Nach dieser Performance hätte man auch schon überglücklich nach Hause gehen können.
Aber nun waren noch Machine Head an der Reihe. Wer gedacht hat, dass Gojira einem schon den Kopf abgeschraubt haben, musste sich bei den Herren aus den USA noch einmal warm anziehen. Auch hätte ich gedacht, dass beim Publikum vielleicht schon die ersten Ermüdungserscheinungen spürbar werden würden. Aber falsch gedacht! Die vier Herren sowie alle Anwesenden gaben noch einmal richtig Gas. Gleich zu Beginn preschten Machine Head mit „Imperium“ los, gefolgt von „Is There Anybody Out There“ und „Locust“. Allesamt Brecher und wirklich astrein auf die Bretter gelegt. Die einzigen Punkte, an denen sich das Set der Amerikaner etwas zog, waren die Songs des aktuellen Albums, welchen es spürbar an Durchsetzungskraft fehlt. Aber egal! Fokussieren wir uns auf die guten Momente! Zum Endspurt gab es noch ein Cover von Sepulturas „Territory“, bei welchem Gojiras Joe Duplantier die Truppe am Gesang unterstützte. Dass dabei die Menge komplett steil ging, muss ich wohl nicht erwähnen. Anschließend gab es natürlich noch „Davidian“, bis Machine Head die Show mit „Halo“ beendeten. Dazu hat die Band nochmal aus den Vollen geschöpft und von Feuer, Funkenregen, Luftschlangen und Feuerwerk durchgängig aus allen Kanonen geschossen. Sehr beeindruckend anzusehen!
Für mich ging es dann völlig erschöpft, aber musikalisch vollends zufrieden zurück ins Camp, um für den letzten Tag des Festivals ausgeruht zu sein.
Seht euch hier unsere Festivalbilder des zweiten Tages an:
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