Nie mehr so klein

Der junge Senkrechtstarter Tjark ist mit gewaltigen Pop-Songs und starker Live-Band im seit Wochen ausverkauften Tower Musikclub aufgetreten.

Foto: Jörg Kröger

Bremen. Was haben Bands wie Giant Rooks, Provinz und Jeremias gemeinsam? Sie alle spielten einst im Tower und füllen längst riesige Hallen. In diese Riege einreihen könnte sich der junge Newcomer Tjark, der den Musikclub lange ausverkauft hat und auf seiner bisher längsten Headliner-Tour schon am Tag zuvor im Hamburg das Docks mit gut vierfacher Kapazität gefüllt hat. Nach seinem letztjährigen Gig an der Line-Up-Spitze des Horn To Be Wild Festivals, ist sein eigener Tourstopp in Bremen also etwas Besonderes, an die persönliche Atmosphäre dieser Clubshow werden sich alle Beteiligten noch lange erinnern.

Als Support-Act eröffnet im randvollen Tower der Hamburger Rapper Sant, der mit seinem DJ angereist ist. Mit melancholischen Texten und düsteren Sounds zwischen Pop und Rap und einer Prise Autotune wärmt er das junge Publikum auf, das beim vierten Song „Welt dreht“ erstmals zu springen beginnt. Bei „Fällt mir schwer“ wechselt sein DJ anschließend ans Klavier, in ruhiger Atmosphäre fahren alle wieder etwas runter und lauschen den persönlichen, autobiographischen Worten.

Nach seinem Senkrechtstart in der Musikszene und millionenfach gestreamten Songs, ist Tjark erstmals auf eigener Tour in Bremen zu Gast. Bei seinem dritten von 16 Konzerten auf dieser Reise wird er live unterstützt von Gitarrist Manu und Drummer Finn, die dem Auftritt einen vollständigen Bandcharakter geben. Nach einer Show aus Licht und Nebel zum Intro, bracht es keine Aufwärmphase. Mit gefühlsgeladener Stimme singt der Newcomer über die Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens, von Gefühlen und Träumen und trifft mitten ins Herz einer jungen Generation.

Tjark lässt aus großen Pop-Momenten, Indie-Einflüssen und Rap-Referenzen einen ganz eigenen Sound entstehen. Der vollkommene und talentierte Musiker singt mit großer Stimmgewalt, weich und stark zugleich, in einem Moment ganz sanft, im anderen wieder kantig und mit Hip-Hop-Anleihen. Eindringlich, vielseitig und ausdrucksstark berührt er sein Publikum. Seine referenzreichen und gewaltigen Pop-Songs sind schmerzhaft wie schön.

Zum vierten Song „Wenn du mich lässt“ nimmt Tjark auch selber die Akustik-Gitarre in die Hand, während Feature-Gast Alless am Gesang seinen Teil besteuert. Für das folgende „Isabel“ wechselt der Multiinstrumentalist ans Klavier. Eine passende Lichtshow untermalt die dichten, atmosphärischen Klänge, es ist ein fesselnder Auftritt und eine stimmige Atmosphäre, in der das junge, überwiegend weibliche Publikum den sympathischen Lockenkopf und seine Musik feiert.

Seinen ruhigen EP-Titelsong „Bunte Farben“ singt Tjark hinten am FOH auf dem Tresen, die Momente direkt zwischen den Menschen seien für ihn die schönsten, erzählt er. „Aneinander vorbei“ singt er anschließend sogar komplett solo mit Akustik-Gitarre – und er fühlt sich sichtlich extrem wohl so nah bei seinen Fans, sodass er den Titel „Alles gewollt“ ebenfalls von dort aus vorträgt. Das unveröffentlichte Stück handelt von der Zeit, in der er zurück aufs Land gezogen ist, nachdem er zwei Jahre in Hamburg gewohnt und dort mit der Musik begonnen hat. Er hat es zusammen mit seinen zwei besten Freunden geschrieben, die heute beide auch im Tower beim Konzert dabei sind. Das schnelle Erwachsenwerden ist generell ein roter Faden bei Tjark – auch später, als er anmerkt, wie glücklich er sei, in jungen Jahren von Musik leben zu können, aber auch die andere Seite anspricht, manchmal Dinge tun zu müssen, für die er noch nicht bereit ist und überhaupt seine Freunde nur selten zu sehen.

Zurück auf der Bühne präsentiert er mit voller Bandpower das ganz frisch veröffentlichte „Spiel mit mir“. „Blauer Ford“ baut sich zum Ende extrem auf und stellt seine starke Band in den Mittelpunkt. Die erste Zugabe singt Tjark solo am Klavier, den Song „Moodswings“ danach gemeinsam mit Drummer Finn. Das allseits bekannte und laut mitgesungene „Lauf“ beendet ein 90-minütiges Konzert, das in Rahmen und Intensität besonders war und auf der nächsten Tour wohl auch in Bremen vor einem vielfachen an Besucher*innen stattfinden dürfte.

Seht euch hier unsere Konzertfotos an:

 


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