Napalm Death im Zollhaus Leer – „Bäumchen wechsel dich“ auf Grindcore Art

Letzten Samstag ging es nach Leer ins ausverkaufte Zollhaus. Die Grindcore-Veteranen von Napalm Death spielten dort spontan mit den Urvätern des Deathmetal Master auf. Mit dabei waren ebenso Primitive Man und Wormrot.

Napalm Death

Leer. Als ich gegen 18.30h in das vollgepackte Zollhaus kam, begann auch gleich der Opener des Abends. Wormrot aus Singapur ballerten sofort alles in Grund und Boden. Für manche war dort sogar ein bekanntes Gesicht zu erkennen, denn der ehemalige Implore-Sänger ist derzeitig mit den beiden Grindern aus Südostasien unterwegs. Dieser machte eine sehr gute Figur, was die Anwesenden auch sofort mit den ersten kleinen Pits belohnten. Mal schauen, ob es nur bei einer Liverolle bleibt, oder ob es in naher Zukunft auch ein Album in dieser Konstellation gibt. Ich würde mich sehr darüber freuen. Nach knapp 30 Minuten war der Spuk dann auch wieder vorbei und Primitive Man enterten die Bühne.

Selten hatte ich das Gefühl, dass ein Bandname so gut zur Erscheinung und Sound einer Band passt. Es wurde tief, doomig und sludgig. Die drei Amerikaner walzten mit ihrer Art des Death-Doom, welche in einigen Passagen elektronische Drone- Elemente besaß, alles nieder. Mit den zwei übergroßen, analogen Synths, die die beiden Instrumentalisten neben ihren Hauptinstrumenten bedienten, wurden zum Teil solch abartige Sounds erzeugt, dass es einem schon in den Ohren blutete. Ein wahres Fest an Feedback und slowen Caveman Riffs.

Nun standen die Deathmetal-Urgesteine von Master auf der Karte und hier beginnt das angesprochene „Bäumchen wechsel dich“ Spiel. Als ich die erste Version des Flyers sah, standen an dieser Position noch die Grinder von Pig Destroyer, was mich persönlich sehr gefreut hatte. Nach kurzer Zeit waren diese aber nur noch für wenige Shows mit im Line-up und die US-Thrasher von Biermacht traten an ihre Position. Die Partythrasher sollen aber ihren Flug nach Europa verpasst haben und wurden, nur einen Tag vor Tourstart, aus dem Line-up entfernt. So las man es jedenfalls auf den offiziellen Kanälen. Nun sprang also das amerikanisch-tschechische Trio Master ein. Und sie machten einen sehr guten Job. Ich persönlich finde es immer eindrucksvoll, die Urgesteine eines Genres zu sehen, um den Vergleich zu haben, in welche Richtungen sich dieses heutzutage entwickelt hat. Sänger Paul hatte ab der ersten Sekunde das anwesende Publikum in der Hand. Was seltsam erschien, da sich die Ansagen und Stageacting, welche sich auf ein Minimum beschränkten, „Let the music do the talking“, lag es wohl an den Jahrzehnten an Bühnenerfahrung. Stellenweise hatte ich den Eindruck, eine noch räudigere Version von Motörhead vor mir sehen, welche gnadenlos durch ihr Set peitschte. Nach einer knappen Stunde war die Show dann auch vorbei und es wurde merklich enger im vorderen Bühnenbereich.

Napalm Death legten gleich mit ein paar neuen Songs ihres aktuellen Albums los. Die neue, etwas doomigere Richtung gefiel mir auf Platte eigentlich ganz gut. Aber live sollte Barney einfach die „clean“ Vocals lassen. Diese als nicht gut zu bezeichnen, wäre noch zu hoch gegriffen. Aber egal, wer geht schon zu einer Napalm Death Show und kümmert sich um Klargesang. Weiter ging es mit einem grandiosen „Suffer The Children“, gefolgt von einer Tour durch sämtliche Epochen der Bandgeschichte, deren Abschluss natürlich das allseits bekannte Dead Kennedys Cover „Nazipunks fuck off“ steht. Leider war bei dieser Show Bassist Shane nicht zugegen, dieser wurde ohne Angabe von Gründen von Sänger Barney entschuldigt. Dieses sollte der Show aber keinen Minderwert geben, denn der Aushilfsmann stachelte die Anwesenden, gemeinsam mit Sänger Barney, zu Höchstleistungen an. Ein für die beschränkte Größe der Venue, ordentlicher Pit und unzählige Stagediver rahmten das knapp 70 Minuten lange Spektakel ein.

 


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