Lorna Shore – Breakdowns For My Valentine
Am Valentinstag gab es nicht nur Candle-Light-Dinner, sondern auch eine gewaltige Deathcore-Mahlzeit. Die Genre-Giganten von Lorna Shore luden zu vergnüglichen Stunden in die Inselpark Arena in Hamburg. Mit am Start waren die Kavaliere von Humanity's Last Breath, Shadow Of Intent und Whitechapel.

Hamburg. Als ich die Inselpark Arena betrat, starteten gerade der Opener Humanity’s Last Breath. Leider hatten die schwedischen Djenter nicht nur mit einer gerade mal halbvollen Halle, sondern auch mit einem unterirdischen Sound zu kämpfen. Matschig und viel zu bassig rissen die vier Herren um Mastermind Buster Odeholm dennoch souverän ihr Set herunter. Hier und da versuchte Sänger Filip Danielsson die Anwesenden zu animieren. Dies versiegte aber leider nur in mäßigem Erfolg. Sehr schade, aber der Funke schien leider nicht übergesprungen zu sein! Da konnte auch die solide Arbeit der beiden Gitarristen nicht weiterhelfen. So ging ihr Set leider nach 30 Minuten unspektakulär zu Ende.
Als zweites waren nun Shadow Of Intent an der Reihe. Die Amerikaner konnten mit ihrem aktuellen Output schon in meinem Album-Ranking zum letzten Jahr punkten, dennoch wurden sie, wie ihre Vorgänger, auch mit einem mäßigen Sound gestraft. Wo es zuvor noch basslastig matschte, war es hier nun leise und drucklos. Die technischen Deathcorer ließen sich davon aber nicht beeindrucken und zogen gekonnt ihren Stiefel durch. Das knackige 30-Minuten-Set bestand zu meiner Freude fast ausschließlich aus Songs des 2025er-Albums „Imperium Delirium“. Lediglich der grandiose Abschluss „The Heretic Prevails“ stammte von einem vorherigen Release.
Als nächstes stand nun mein persönliches Highlight auf der Bühne. Whitechapel drückten mit einem Hattrick vom aktuellen Album „Hymns in Dissonance“ sofort mächtig aufs Gaspedal. Wo die Vorgänger noch mit fragwürdigem Sound unterwegs waren, konnten die fünf Herren aus Tennessee nun aus dem Vollen schöpfen. Auch waren die ersten Bewegungen seitens des Publikums zu sehen, welches den für den heutigen Abend doch ziemlich unmodernen Deathcore sichtlich zu schätzen wusste. Mit einer brachialen Stimmgewalt heizte Sänger Phil die sich immer mehr füllende Arena an. Weiter ging die Reise über das fantastisch abgelieferte „Hate Cult Ritual“, zu welchem endlich der erste Pit des Abends entfacht wurde. Leider ging es ab diesem Zeitpunkt schon in den Endspurt, welcher mit „This Is Exile“ seinen krönenden Abschluss fand. Wirklich ein infernaler Ritt, leider mit knappen 35 Minuten ein wenig knapp bemessen.
Kommen wir nun zum unangefochtenen Chef im heutigen Ring. Nach dem obligatorischen Bonnie Tyler-Intro und Bannerdrop, prügelten Lorna Shore ungehalten mit „Oblivion“ los. Wo zuvor noch die Banner der Support-Bands die Sicht versperrten, konnte man nun die gigantische LED-Show der Amerikaner auf sich wirken lassen. Auch war ab diesem Punkt spürbar, dass die Arena bis auf den letzten Platz ausverkauft war. Dicht gedrängt drückten sich die Besucher vor der Bühne und reichten dabei einen Crowdsurfer nach dem Nächsten in den Bühnengraben. Schon abgefahren, dass ab der ersten Sekunde die Menge am Überkochen war, die Jungs auf der Bühne genossen diesen Fakt sichtlich. Weiter ging die rasante Reise über Kracher wie „War Machine“ und „Sun//Eater“ – allesamt mit jeweils großartigen Visuals über die gesamte Bühne untermalt und in Passagen mit eingeblendeten Lyrics versehen, dies regte natürlich auch die letzte Person zum Mitsingen der stimmlichen Eskapaden von Sänger Will an. Mich erinnerte es aber zeitweise an einen Karaoke-Screen. Als nach „Prison Of Flesh“ vom aktuellem Album „I Feel The Everblack Festering Within Me“ die ersten Töne der „Pain Remains“-Trilogie angestimmt wurden, lief das Fass buchstäblich über. Nun war auch in der letzten Reihe kein Halten mehr. Der Moshpit wuchs auf gigantische Ausmaße an und die Security hatte allerhand mit den Leuten zu tun, die sich über die Barrikaden in den Bühnengraben schoben. Fulminant wurde das in drei Segmente geteilte Stück auf die Besucher losgelassen und jeder Moment dessen, sowohl von der Band, als auch von den Anwesenden zelebriert. Mit den letzten Tönen von „Part III – In A Sea Of Fire“ sollte nun auch der Abend abgeschlossen werden. Aber ein Brecher fehlte noch! Nach einer kurzen Pause wurde „To The Hellfire“ rausgehauen – ein Track, auf welchen jeder in der Halle hingefiebert hatte. Die letzten Reserven von allen Anwesenden wurden aktiviert, bevor es dann endgültig mit klingelnden Ohren wieder auf die Autobahn Richtung Heimat ging.
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