„Es war genau der richtige Schritt“ – Give Me Rain im Interview

Am 11. September spielt das Bremer Metal- und Post-Hardcore-Quartett das Releasekonzert zur neuen EP im Tower Musikclub, vorab haben sie uns einige Fragen beantwortet.

Foto: Maja Skolik

Bremen. Give Me Rain vereinen moderne Metal-Produktion, inspiriert von elektronischer Musik, mit detailreichem Songwriting und unkonventionellen Strukturen zu dynamischem, energiegeladenem Post-Hardcore. Auf der Bühne verwandelt die Bremer Band ihre emotionale Intensität und lyrische Verwundbarkeit in eine mitreißende und intensive Live-Show, mit der sie schon Crowds auf dem Wacken Open Air, dem Reload Festival und zahlreichen weiteren Events überzeugen konnten. Im September 2025 veröffentlichten Give Me Rain ihre Debüt-EP „Love Until Decay“, deren Release sie mit einer Release-Show in der Lila Eule in Bremen feierten. Nach einem erfolgreichen ersten Jahr voller Shows und wachsender Resonanz hat die Band an ihrer nächsten EP gearbeitet, die den Titel „Into The Void“ trägt und am 4. September erscheinen wird. Eine Woche später feiern sie die Veröffentlichung als großes Heimspiel mit einer EP-Release-Show im Tower Musikclub. Die Fragen hat Bassist Tjark Rudolph beantwortet.

Für alle, die euch noch nicht kennen – beschreibt doch bitte einmal, was ihr für Musik macht und wie ihr euch gefunden habt.

Ich denke, wir lassen uns so grob dem modernen Metalcore und Alternative-Metal zuordnen, wobei wir sehr darauf achten, einen eigenständigen Sound zu haben und einen schmalen Grat zwischen Atmosphäre, Härte, Eingängigkeit und Komplexität laufen. Dabei helfen auf jeden Fall unsere unterschiedlichen Einflüsse. Jannick und Matis machen schon seit einigen Jahren zusammen Musik und haben dieses Projekt gestartet, als ihre vorherige Band sich aufgelöst hat.Inspiriert waren sie dabei von Bands wie Bad Omens und The Plot In You, die Metalcore mit sehr detaillierter Produktion und Melodie verbinden.

Jannick und ich haben uns etwas später über die Berufsschule kennengelernt. Obwohl ich bis dahin eigentlich etwas andere Musik gemacht und gehört habe, fand ich die Songs, an denen die beiden gearbeitet haben, sehr ansprechend und bin sofort beigetreten, als die beiden mich gefragt haben. Mit Jannik haben wir dann Ende letzten Jahres einen festen Drummer gefunden und das funktioniert einfach echt gut, da wir alle extrem für diese Band brennen und sehr viel Zeit und Energie investieren.

Ihr habt gerade schon das zweite Jahr auf dem legendären Wacken Open Air gespielt. Mit welchen Eindrücken kommt ihr zurück nach Bremen?

Wir haben auf jeden Fall gemerkt, dass wir uns in diesem letzten Jahr als Liveband nochmal sehr gesteigert haben und es schaffen, unsere Energie auf der Bühne stärker rüberzubringen. Auch dass Leute, die uns letztes Jahr schon dort gesehen haben, wieder zu unseren Shows gekommen sind, hat uns auch nochmal mehr Bestätigung gegeben.

Sechs Auftritte in 24 Stunden – wie hält man das stimmlich und körperlich durch

Geholfen hat es uns definitv, mit einem sportlichen Ehrgeiz daranzugehen und es als eine Challenge zu betrachten. Dieses Jahr war das Bühnensetup auch besonders cool, was uns nochmal motiviert hat, sich auch bei der sechsten Show noch ordentlich über die Bühne zu bewegen.

Stimmlich war eine große Hilfe, dass Jannes von Iginio dabei war. Mit ihm haben wir eine eigene Version von seinem Song Footmat gespielt. Diese Version ist auch Teil unserer neuen EP. Matis und ich haben außerdem erstmals etwas mehr Backing Vocals beigetragen. Jannick musste also nicht mehr jeden Song allein durchpowern. Ansonsten haben stimmlich natürlich Tee und die Strategie, wenig zu reden, geholfen.

Letztes Jahr ist eure Debüt-EP erschienen, bald bereits der Nachfolger. Was ging mit der Erfahrung einfacher und was habt ihr vielleicht anders gemacht?

Ehrlich gesagt ist es immer noch eine ziemliche Lernkurve. Zwar sind wir schneller mit dem Recording und sonstigen Aspekten der Produktion geworden, allerdings ist es jetzt zum Ende doch sehr knapp geworden, die EP rechtzeitig fertig zu bekommen, da wir im Gegensatz zur Produktion von Love Until Decay immer wieder Shows während der gesamten Produktionszeit gespielt haben, was natürlich auch viel Zeit gekostet hat, da wir einen sehr hohen Anspruch an unsere Live-Show haben und für uns jedes Konzert zählt. Die Zeit, die wir dafür investieren mussten, haben wir etwas unterschätzt. Auch sonst war einfach so viel los, da wir wirklich alles in Eigenregie machen und natürlich auch noch ein bisschen ein Leben neben der Band haben, da lief dann nicht alles nach unserem eigentlichen Zeitplan. Hoffentlich klappt das bei den nächsten Releases besser.

Die zweite EP trägt den Titel „Into The Void“ – wofür steht diese Lücke oder Leere?

Diese Leere beschreibt den Raum, der einen Teil der eigenen Psyche, der durch Selbstschutzmechanismen verschlossen bleibt, umgibt. In diesem befinden sich Dinge, die man noch nicht verarbeitet hat.

Wir ärgern uns manchmal ein bisschen, weil es den Namen schon so oft gibt, unter anderem ja auch den sehr bekannten Song von Black Sabbath, aber es passt einfach zu gut auf das, was Jannick in den neuen Songs ausdrücken möchte.

Worum geht es inhaltlich in euren neuen Songs?

In den drei Haupt-Songs, Into The Void, Avoid und Cured, geht es darum, sich in diese beschriebene Leere zu begeben, um den vergrabenen Teil in der eigenen Psyche zu finden und zu konfrontieren.

Auf der neuen EP ist erstmals ein Feature – erzählt gerne mehr davon und wie es entstanden ist.

Footmat ist wie erwähnt eigentlich ein Song von Iginio, mit denen wir zusammen unsere erste Release-Show gespielt haben. Zu dem besonderen Anlass dachten wir uns, dass wir den Song mit Jannes covern wollen. Das kam ziemlich gut an und wir haben seitdem häufig den Wunsch bekommen, das Ganze zu releasen. Also haben wir nochmal zusammen mit Iginio an einer neuen Version des Songs gefeilt und ihn jetzt als eine Art Bonus Track auf die EP gebracht. Wir dachten uns, nach den drei für Jannick sehr persönlichen Songs, tut etwas Abriss mit unseren Freunden ganz gut und rundet die EP kathartisch ab.

Eure EP-Releaseshow spielt ihr am 11. September im Tower, eine der wichtigsten Venues in Bremen. Was verbindet ihr mit dem Tower?

Für uns alle war das einfach immer so eine ultra coole Konzert-Location, in der echt große Bands spielen, gerade so aus dem Rock- und Metal-Bereich. Dass es nach dem Release unserer ersten EP einfach in den Bereich des Möglichen gerückt ist, da selbst mal was zu veranstalten, fanden wir erst etwas verrückt. Als wir uns dazu entschieden haben, dort unsere nächste Release-Show zu spielen, waren wir uns auch nicht ganz einig, ob das vielleicht nicht doch noch eine Nummer zu groß sein könnte. Jetzt wo der Abend aber sehr bald ansteht, sind wir uns sicher, dass das genau der richtige Schritt war und dass die Show die wir geplant haben, ein Venue wie den Tower mehr als verdient hat.

Als Vorbands werden Bucketlist und Hard Times Don‘t Last den Abend eröffnen, wie ist das entstanden?

Mit Hard Times Don’t Last wollten wir schon sehr lange was zusammen machen, da wir sowohl musikalisch als auch von der Message der Band her glaube ich sehr gut zusammenpassen. Sich dann noch für eine zweite Band zu entscheiden war gar nicht so einfach, da es natürlich noch einige gab, mit denen wir gerne mal zusammenspielen würden. Wir haben uns letztendlich für Bucketlist entschieden, weil wir sie zum einem einfach cool finden und zum anderem mal eine Band nach Bremen holen wollten, die hier sonst vielleicht nicht so oft spielt.

Auf welche Besonderheiten können sich die Besucher*innen der Releaseshow freuen

Wie gesagt stecken wir sehr viel Aufwand in jede unserer Shows, aber nichts davon war bisher vergleichbar mit dem, was wir mit dieser Show vorhaben. Wir planen sie bereits seit über 10 Monaten, haben ein spezielles Bühnenkonzept entwickelt und krönen damit ein für uns sehr intensives Jahr. Einige unserer Songs werden auf ganz andere Art zu hören sein als bisher, und auch sonst haben wir einige Überraschungen parat, zu denen wir jetzt aber natürlich noch nicht zu viel verraten wollen.

Am Freitag, den 11. September spielen Give Me Rain ihre EP-Release-Show in Bremen im Tower Musikclub. Als Support-Acts sind Bucketlist und Hard Times Don’t Last dabei. Tickets für das Konzert gibt es im Vorverkauf.

 


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