Eingeschleust plus eins
Das Bremer POP Office hat am ersten Abend der Breminale fünf Acts in der „Schleuse“ präsentiert. Als zugkräftiger Opener stand vorab Fortuna Ehrenfeld auf der Bühne.

Bremen. Am ersten Tag der Breminale hat das POP Office bereits im vierten Jahr Musiker*innen aus Bremen „eingeschleust“. Aus unzähligen Bewerbungen setzten sich vier Acts durch, die im Laufe des Abends je 40 Minuten auf der großen Zeltbühne spielen durften. Ergänzt wurde das Line-Up im Rahmen eines Austauschprogrammes um die Band Helen Jewett aus den Niederlanden. Vorab spielte am frühen Abend Fortuna Ehrenfeld als erste Band des eintrittsfreien Kulturfestivals am Osterdeich.
Bereits um 18 Uhr zieht das Kölner Trio viele Menschen ins Zelt, Fortuna Ehrenfeld ist einer der bekannteren Namen im diesjährigen Line-Up der Breminale. Auch davor stehen zahlreiche Besucher*innen mit dem ersten Kaltgetränk in der frühen Abendsonne. Sänger Martin Bechler steht wie gewohnt barfuß mit Gitarre auf der Bühne, unterstützt von Schlagzeug und Keyboard. Das Trio wechselt zwischen ruhigen, nachdenklichen Momenten und tanzbaren Stücken. Viele Fans singen die Texte mit, die Stimmung ist vor allem in den ersten Reihen ausgelassen. Die eigenständige Poesie von Fortuna Ehrenfeld kommt am frühen Abend bestens zur Geltung.
Zeitgleich zum Konzertbeginn startet außerdem die Crowdfunding-Kampagne eines großen Projekts von Bechler gemeinsam mit dem Bremer Künstler Sönke Busch. Am grauen Bunker hinter dem Ortsamt Mitte am Dobben soll ein sichtbares Zeichen für Demokratie, Erinnerung und Menschlichkeit entstehen. Die Zeile „Ey, kannst du dich erinnern, wie wir uns damals küssten? Erst gegen die Vernunft. Und dann gegen die Faschisten.“ aus dem Song „Gegen die Vernunft“ soll dort als großformatiges Kunstwerk realisiert werden. Hier gelangt ihr zur Startnext-Kampagne.
Als erster Act im Rahmen von „Eingeschleust“ darf anschließend nisi ran. Der Bremer Musiker bringt für den Auftritt eine eigens zusammengestellte, siebenköpfige Band mit auf die Bühne – mit Gitarre, Bass, Geige, Piano, Schlagzeug und Background-Gesang. Das Ergebnis ist ein abwechslungsreicher Sound zwischen Rap, Rock, Indie, New Wave und Punk. Sechs Wochen lang haben sie intensiv für diesen Auftritt geprobt, es steckt ganz viel Mühe und Arbeit drin. Vor der Bühne werden sie mit großem Jubel belohnt. nisi springt schon beim ersten Song in den Graben, zur Zugabe erneut – und lässt sich zum Abschluss des 40-minütigen Sets beim Crowdsurfing auf den Armen des Publikums feiern.
Der Abend ist geprägt von sehr unterschiedlichen Musikstilen und großer Abwechslung, mit Mexi folgt der erste deutliche Stilbruch. Der Künstler verbindet atmosphärischen Hip-Hop mit melodischen Einflüssen und bewegt sich klanglich zwischen Trap und Hyperpop. Kräftige Beats prägen den Auftritt. Unterstützt wird Mexi von einer dreiköpfigen Crew inklusive DJ, die für zusätzliche Energie auf der Bühne sorgt. Mit xátiva wird es anschließend ruhig und verträumt. Die mexikanische Independent-Künstlerin, die derzeit in Deutschland lebt, verbindet in ihren spanischsprachigen Songs Alternative-Pop mit experimentellen und ausgedehnten Klangstrukturen. Erstmals wird bei „Eingeschleust“ im vierten Jahr auf Spanisch gesungen. Sanfte, intime Vocals treffen auf vielschichtige Synthesizer und schaffen einen Sound zwischen Verletzlichkeit und Tanzbarkeit.
Um 22:15 Uhr feiern Helen Jewett ihre Deutschland-Premiere. Der Auftritt ist durch eine neue Austausch-Kooperation zwischen Bremen und Groningen möglich geworden. Die Band, einst gestartet als Schulband mit gemeinsamer Begeisterung für Joy Division, bewegt sich musikalisch zwischen Post-Punk und Shoegaze. Die Bühne liegt in dichten blauen Nebelschwaden, das Licht setzt nur punktuell von der Seite und von hinten Akzente. Dichte Gitarrenflächen und der markante Gesang schaffen eine intensive, geheimnisvolle Atmosphäre. Das Publikum lässt sich auf die kühle, introspektive Klangwelt ein und spendet immer wieder begeisterten Applaus. MONO/XYD beschließen den Abend mit einem düsteren, elektronischen Set. Das Bremer Duo verbindet moderne Dark-Wave-Klänge mit Einflüssen aus EBM und Dark-Pop. An Synthesizern und Gesang verpacken die beiden persönliche, politische und feministische Themen in einen kraftvollen Sound. So endet „Eingeschleust“ mit einem intensiven und atmosphärischen Abschluss.
Seht euch hier unsere Fotos des ersten Abends an:
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