Die heilige Messe des Italo-Schlagers

Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys haben das ausverkaufte Pier2 am Mittwochabend in einen Tempel des Italo-Schlagers verwandelt.

Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys (Foto: Malte Löhmann)

Bremen. Ihr Ruf als eine der angesagtesten und beliebtesten Live-Bands der Stunde, hat Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys am Mittwoch ins Bremer Pier2 getragen. Die sechsköpfige Gruppe hat die Halle am Gröpelinger Hafen in kürzester Zeit ausverkauft, sodass sogar noch eine Zusatzshow am Tag darauf anberaumt wurde. Die Zuschauer*innen feiern den Italo-Schlager der Band um „Schlagerpapst“ Roy Bianco ausgelassen und sind dabei passend gekleidet – überall im Pier2 sind Fans in italienischen Trikots, Fanschals und sonstigen Accessoires zu sehen.

Pünktlich um 20 Uhr betritt ein Mann im beigen Anzug mit zurückgegelten Haaren die Bühne und stellt einen Aufsteller mit der Aufschrift „Zahmes Pferd entlaufen“ samt großem Foto mittig auf. Luis Ake darf heute mit seiner Genreneuschöpfung „Horse Trance“ als Support-Act anheizen. Der Solo-Künstler präsentiert Pop-Musik gepaart mit Trance, House und Electro-Beats – alles im Schlager-Stil gehalten. Optisch und durch seine Gestik erinnert er an Alexander Marcus, auch musikalisch ist die Darbietung nicht weit davon entfernt. Zwischen Ironie und Persiflage sorgt besonders die Panflöte für Heiterkeit und Beifall. Am 23. April ist Luis Ake selber als Headline-Act in der Krise zu Gast.

Mit passender Umbaumusik wird in der Halle schon vor dem Auftritt von Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys Partystimmung erzeugt – Songs wie „Ich liebe das Leben“, „Ein bisschen Spaß muss sein“ und „Anita“ singen die Fans lautstark mit. Nicht weniger bejubelt wird die Eurovisions-Hymne als Intro, anschließend startet die wilde Reise auf der „MS Abbrunzatissima“. Die „heilige Messe des Italo-Schlagers“ benötigt keine weitere Aufwärmphase, alle Beteiligten stützen sich direkt in die stürmische See der Adria.

Sänger und „Schlagerpapst“ Roy Bianco, Gitarrist Die Abbrunzati Boys, Keyboarder Ralph Rubin, Bassist Eisensepp, Schlagzeuger Bungo Jonas und Trompeter Blechkofler haben den „Kult“ ihrer augenzwinkernden Biographie aus 43 Jahren Italo-Schlager mitgebracht. Tatsächlich spielen sie sich seit knapp zehn Jahren durch die Clubs und Hallen, brachten ihren Flair 2021 ins Kulturzentrum Lagerhaus, 2023 ins Modernes und nicht zuletzt im vergangenen Sommer unter strahlendem Himmel auf das Hurricane Festival. In sonniger Open-Air-Atmosphäre funktioniert die Show der sechsköpfigen Gruppe noch etwas besser, doch sie geben sich größte Mühe und sind mit vollem Einsatz dabei, das italienische Flair auch in die Halle zu transportieren.

Die ursprünglich aus Augsburg und München stammende Gruppe spielt energiegeladen und ausdauernd die alten und neuen Titel aus ihrem Hit-Kompendium. Vor einer groß angelegten Kulisse mit mediterranen Aufbauten, Rundbogen, zwei Türmen an den Seiten und kleineren Merkmale wie dem Keyboard auf einer aus dem Boden ragenden, eisernen Hand, ziehen sie ihr Programm mit großen Gesten in unvergleichlicher Art durch und bleiben komplett in ihrer Rolle. So werden die Zuschauer*innen mit den unglaublichsten Geschichten und eingängigen Melodien in ein Paradies aus Fiktionen entführt – weiter weg kann der Alltag nicht sein.

Gleich zu Beginn wird zur Fahrt auf der „MS Abbrunzatissima“ blaues Konfetti ins Publikum geschossen. In den folgenden gut zwei Stunden reihen sich lustige Songs an ernste Aussagen, Partytracks an nostalgische Klänge – eine hohe Bandbreite und musikalisch stets in den Gefilden des Italo-Schlagers unterwegs. Nur als „Supersonic“ von Oasis angespielt wird, brechen sie kurz aus ihrer Musikrichtung aus – nur um direkt in das vom Intro durchaus ähnliche „Goodbye Arrivederci“ zu starten. Das rollende Mischpult wird wenig später zum Mittelpunkt der „Rimini Disco“ und spätestens zu „Bella Napoli“ gibt es im Innenraum kein Halten mehr: Die charakteristischen „Schlagerstrudel“ und „Wände der Begegnung“ öffnen sich. Kurz vor dem vorläufigen Konzertende regnen zu „Ponte Di Rialto“ sogar Funken von der Decke auf die Bühne.

Nach zwei älteren Stücken direkt zwischen den Fans im oberen Rang, kommen Roy Bianco und Ralph Rubin für die finalen Zugaben zunächst zu zweit wieder mit einer Fackel zu „Freude schöner Götterfunken“ auf die Bühne. Vor einem kleinen Feuer direkt am Piano performen sie auf der nebelgefluteten Bühne „Capri 82“. Nach „Quanto Costa“ in voller Besetzung werden zum großen Finale „Weiße Rosen“ noch einmal runde Konfettiblätter in die Luft geschossen, bevor die Bandmitglieder zur Verabschiedung tatsächlich weiße Rosen an ihr Publikum verteilen.

Seht euch hier unsere Konzertfotos an:

 


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