Das vielleicht anstrengendste Musikvideo der Welt

Leoniden veröffentlichen dreistündige Dauer-Performance zur neuen Single „I Still Feel“.

Foto: Capadol

Keinerlei Abnutzungserscheinungen bei Leoniden aus Kiel. Mit „I Still Feel“ ist heute die neue Single einer der ausdauerndsten Bands des Landes erschienen. Im fast dreistündigen Musikvideo performt die Band den Song unter freiem Himmel im Dauerloop live. Doch das allein ist nicht genug. Ein fast zwei Meter großes Vorhängeschloss und drei verschiedene Handäxte sind die Requisiten einer der hypnostischsten Musikvideoerlebnisse jemals. Was in den über 50 Wiederholungen des Songs passiert, sollte am Stück erlebt werden, damit man es überhaupt glauben kann. Die Grenzen zwischen Musik und Performancekunst zerlaufen, wenn Jakob Amr auch nach über zwei Stunden andauerndem Singen und Axtschwingen die Energie findet, zu „I Still Feel“ zu tanzen.

„I Still Feel“ wird so zum krassen Gegenentwurf zum herkömmlichen Musikkonsum im Jahr 2026 – und Leoniden beweisen einmal mehr, warum sie zu den maßstabgebenden Bands der letzten Jahre gehören. Das letzte reguläre Album der Band, „Sophisticated Sad Songs“, erschien im Sommer 2024 und erreichte Platz zwei der deutschen Albumcharts. 2026 spielt die Band auf dem niederländischen Tastemaker-Festival „Best Kept Secret“ neben Acts wie Gorillaz, Nick Cave & The Bad Seeds oder Haley Williams.

„I Still Feel“ ist ein zwingender Banger zwischen Indie-Floor und Disco, der letzte Fragen zwischen Ewigkeit und Endlichkeit verhandelt. Die ewige Frage, was erstrebenswerter ist, Club 27 – also verglühen auf dem Peak, zack, weg! – oder ein langes, erfülltes Leben, beantwortet Leoniden-Sänger Jakob Amr im Song „I Still Feel“ mit einem klaren: unbedingt beides!

Die neue Leoniden-Single beginnt mit einer auf herrlich glitzernde Weise wehmütig-bontempihaften Synthesizer-Melodie zu einem wilden perkussiven Club-Beat, die unverkennbare Signatur dieser Band tritt ebenso zu Tage wie ihr enormes Melodiegespür, da singt Jakob: „But Björk gets old while Kurt stays young, how can I have both?“

Das Video zu „I Still Feel“ symbolisiert die Endlichkeit aller Dinge und das Vergehen der Zeit mittels eines gigantischen ABUS-Schlosses aus Holz, das an eins jener Liebesschlösser erinnert, mittels derer sich Paare an Brückengeländern überall auf der Welt ihrer ewigen Verbundenheit versichern. Aber was genau meinen wir eigentlich, wenn wir „für immer“ sagen, uns gar „ewige Treue“ schwören, wo wir doch um die eigene Endlichkeit wissen?

„If you say forever one more time, I’ll remind you that we die“ singt Partycrasher Jakob – und zertrümmert dazu im Video das Liebeschloss bis zur körperlichen Erschöpfung, weil die Hoffnung auf Unendlichkeit eben leider eine Illusion ist. Es gibt immer und für alles ein Ende, das gilt leider auch für diesen sich kontinuierlich steigernden Banger zwischen Indie-Floor und Disco, den man danach immer wieder von vorne hören möchte.

 


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