Amenra im Schlachthof – Filmmusik und Messe

Am 30.11.2023 haben die belgischen Doomer von Amenra zu ihrer Messe in den Schlachthof geladen. Mit dabei war das Projekt Corecass.

Foto: Stephan Vanfleteren

Bremen. Als ich am Donnerstag endlich, komplett durchgefroren, die Kesselhalle des Schlachthofs betreten konnte, war diese schon sehr gut gefüllt. Sowohl vor der Bühne, als auch auf der Tribüne, gab es kaum noch freie Plätze. Also flott an die Bar und schnell einen Platz gesucht. Dass es dieses Mal nur für einen Platz auf der Tribüne gelangt hat, tat bei der musikalischen Darbietung von Corecass, im positiven Sinne, doch ganz gut. Denn es wurde ruhig, sehr ruhig. Das Soloprojekt der „Moor“-Schlagzeugerin beschränkt sich fast ausschließlich auf durch mit Harfe und Piano vorgetragene Stücke. Begleitet wurden diese durch atmosphärische Samples und einem Mitmusiker, welcher zwischen Bass und Gitarre wechselte. Die als Post-Metal betitelte Soundscape erinnerte mich eher an eine aufwändig komponierte Filmmusik, in welcher man sein Kaltgetränk verzehrend versinken konnte und kaum mitbekam, wo ein Song begann oder endete. Auch verflog die Zeit, denn nach knapp 45 Minuten wurde man aus seinem Gedanken versunkenden Schwelgen gezogen, denn nun stand der Headliner des Abends an.

Amenra walzten, nach einer kurzen Umbaupause, sofort mit ihrer Mischung aus Doom, Sludge und Post-Metal los. Hinter der Band lief eine Projektion aus Landschaften, wolkenverhangenen Himmeln, oder atmosphärischen Grafikkollagen, welche durch sparsames weißes Licht ergänzt wurden. Diese Szenerie spielte der Band natürlich total in Karten, sodass die Protagonisten der „Church of Ra“ bei bestem Sound ihre Messe halten konnten. Sänger Colin brüllte seine Texte mit einer solchen Wut ins Publikum, dass er – wenn er nicht die meiste Zeit seinen Rücken den Anwesenden zuwendete – kein Mikro benötigen würde. Der Raum vor der Bühne war nun so voll, dass kaum noch ein Durchkommen möglich war. Die Leute brüllten komplette Textpassagen der flämischsprachigen Belgier mit, dennoch war es, natürlich dem Musikstil geschuldet, eher ruhig und entspannt im Publikum. Nach einer knappen Stunde war dann auch Messe gelesen und die Leute konnten zufrieden in die eisige Nacht entlassen werden.

 


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