„Brecht euch und uns nicht das Herz“

Fair-Weather-Fest-Organisator Christopher Hollmann spricht im Interview vor der zweiten Auflage des Clubfestivals im Bremer Viertel über den Ticket-Vorverkauf, mehr Bands, die Finanzen, copy-pasten und die Spielstätten.

Das FWF-Team

Bremen. Zweite Runde: Für das Fair-Weather-Fest im Bremer Viertel steht die zweite Auflage an. Am Freitag, 5. Juni, und Samstag, 6. Juni 2026, legen die Organisatoren nach. Mit mehr Bands, wieder mit einem finanziellen Risiko aber vor allem wieder mit ganz viel Bock und Herzblut. Einer der Organisatoren des Fair-Weather-Fest ist Christopher Hollmann. Im Interview spricht er über den Vorverkauf, das Geld, copy-pasten und die Spielstätten.

 

Zweite Auflage Fair-Weather-Fest – was ist bei der ganzen Vorbereitungen und Organisation anders als bei der ersten?

Christopher: Wir haben das Gefühl, ein bisschen mehr zu wissen, was auf uns zukommt. Das macht allerdings gleichermaßen riesige Vorfreude und Respekt haha. Letztes Jahr gab es ganz viele Firsts, vieles sollte überhaupt erstmal klappen. Jetzt wollen wir Dinge mindestens genauso gut machen oder besser. Letztes Jahr haben wir ausverkauft und ausnahmslos alle hatten eine fantastische Zeit – höher könnte die Messlatte also ja kaum liegen…

Die erste Auflage war irgendwann ausverkauft. Wie läuft denn jetzt der Vorverkauf? Könnt ihr den Erfolg wiederholen? 

Noch gibt es Tickets und wir bewegen uns ein Stückchen vor den Zahlen aus dem letzten Jahr. Daher aber auch der dringende Hinweis, dass es im letzten Jahr am allerschwierigsten für uns war, nicht wenige traurige Gesichter am Einlass wieder nach Hause schicken zu müssen… Brecht euch und uns nicht das Herz, holt euch jetzt ein Ticket, bitte. :*

Ich frage mal – liebevoll, provokant gemeint: fällt euch nichts Neues ein oder warum bucht ihr ein paar Bands ein zweites Mal? 

Provokant-lieb rückgefragt: Wenn du ein aktuelles Lieblingsalbum hast, hörst du das dann nur einmal oder rauf und runter? Das Fair-Weather-Fest 2025 hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir es unseretwegen auch einfach in dieses Jahr hätten copy-pasten dürfen. Aber natürlich haben wir auch Bock auf neue Bands, Bands von denen wir letztes Jahr schon geträumt haben, Bands nach denen wir aktiv gefragt wurden – und letztlich müssen alle gemeinsamen Wünsche ja auch in Timelines und Routings der Künster:innen passen.

Uns geht’s beim Festival ja auch ganz viel darum, Lieblingsbands nach Bremen zu holen. Dass Between Bodies als absolutes Publikums-Highlight aus dem letzten Jahr wieder am Start sind, oder Turbobart, der letztes Jahr im Eisen zur Festival-Promo aufspielte nun zum Festival zu Gast ist, ist dann auch einfach Herzenssache und einer der Gründe, wieso wir das machen.

Aufgefallen ist, dass ihr im ersten Jahr glaube ich keine Band von dem Bremer Label Gunner Records dabei hattet, jetzt aber gleich mehrere. Kann man da jetzt von einer Kooperation sprechen?

Kooperation mit Gunner auf meinem Plattenteller hab ich eh immer (und die anderen glaube ich auch). Es ist eher wie oben bereits gesagt, letztes Jahr passte es eher zufällig schlechter als mehrfach sehr gut in diesem Jahr. Wir finden es jedenfalls richtig schön, wenn das Festival so viel Bremen-Bezug wie möglich hat, ohne dabei anstrengend lokal zu werden oder zu wirken.

Die ganze Kulturbranche klagt darüber, dass sie zu wenig Förderung bekommt. Wenn ich mich richtig erinnere, habt ihr im ersten Jahr eine gehabt. Wie sieht das in diesem Jahr aus? Und wie wichtig ist das?

Wir klagen mit. Aber ja, auch dieses Jahr fördern uns die Bremer Kulturbehörde und die Waldemar Koch Stiftung wieder. Dafür sind wir, neben unserem Klagen über schwere Zeiten für Kultur und insbesondere Subkultur, natürlich unendlich dankbar. Und as easy as that: Ohne diese Förderungen könnte es das Festival nicht geben, weil wir Ticketpreise nicht auf attraktivem und extrem fairen Niveau halten könnten. Das Fair-Weather-Fest wäre dann entweder nicht mehr so toller und hochqualitativer Spaß wie im letzten Jahr, oder plötzlich nicht mehr so sehr für alle zugänglich, wie wir es uns wünschen – beides für uns nicht vorstellbar.

Viele Veranstalter kämpfen damit, dass sich ihre eine Veranstaltung wirtschaftlich trägt. Im vergangenen Jahr war euer Ziel, euch privat nicht zu verschulden. Bleibt dieses Mal vielleicht ein bisschen Geld übrig? 

Ganz sicher nein. 🙂

Im vergangenen Jahr müssten es 21 Bands gewesen sein, dieses Jahr sind es 31. Also zehn mehr. Wie kommt es? 

Neben dem Lagerhaus an beiden Festivaltagen spielten im letzten Jahr Bands im Calavera und in der Lila Eule, jeweils an einem der Festivaltage. Hinzu kamen Specials im Black Plastic Plattenladen, Titus Skateshop und im Eisen. Das hat alles so wunderbar geklappt, dass wir Calavera, Eule und Eisen in diesem Jahr als feste Spielstätten an beiden Festivaltagen hinzufügen – eine, in unseren Augen, behutsame und sinnvolle Skalierung, ohne groß am Vibe vom letzten Jahr zu schrauben. Dadurch konnten wir uns den Wunsch nach Platz für ein paar mehr Bands erfüllen. Jetzt wo ich nochmal sehe, dass wir um 50 Prozent wachsen, macht mir das auch bisschen Schiss, haha.

Okay, wenn das jetzt finanziell alles einigermaßen läuft. Wie sieht der Plan für die Zukunft aus? Wollt und könnt ihr expandieren? 

Das wissen wir erst nach dem Festival, aber grundsätzlich möchten wir weiter und auch immer mehr machen. Ein Mehr und Expansion geht für uns aber nicht nur über weitere Bands und größere Bühnen – wenn wir in die Wiederholung gehen, dann muss das nicht unbedingt mit 45 Bands sein. Mit unseren Aktivitäten wie Pop-Up-Events und Tattoo-Specials zum Festival bedienen wir ja schon über die klassischen Bühnen hinaus. Noch mehr Kooperationen, noch mehr Austausch und zum Beispiel auch Präsenzen wohlgesonnener Organisationen und pflanzlicher Food-Stände vor Ort. Wir haben noch einige Überraschungen dieses Jahr, aber es gibt auch immer noch einiges zu holen im Gesamtkonzept eines rundum gelungenen Wochenendes, das – wenn es nach uns geht – auch weit über das Festival-Weekend hinaus inspirieren soll.

Gibt es einen Wunsch für das Line-Up? Also wollt ihr zum Beispiel internationaler werden? 

Für jetzt sind wir wunschlos glücklich, schauen mit Liebe auf das Dresdener Farewell Youth Festival, das ein paar Wochen später stattfindet – und machen uns alle weiteren Gedanken ab Juli diesen Jahres.

Worauf freut ihr euch in diesem Jahr am meisten? Musikalisch wie auch vom Erlebnis? 

Am allermeisten: auf bekannte und neue Gesichter am Einlass, auf einfach alle, die jetzt noch schnell ein Ticket lösen und Teil unserer kleinen Fair-Weather-Fest Family werden.  ❤️

Tickets für das Festival gibt es hier.

 

Interview aus dem vergangenen Jahr 2025: 

 


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