Trink aus! Wir müssen gehen – Abschiedskonzert der Toten Hosen

Ein Kreis schließt sich: Am vergangenen Freitag spielten die Toten Hosen ihr Abschiedskonzert vor 35.000 Zuschauer*innen auf der Bürgerweide. In direkter Nachbarschaft zum Schlachthof und dem Magazinkeller, in dem sie 1982 ihr erstes Konzert spielten.

Foto: Bastian Bochinski

Bremen. Die Toten Hosen sind wohl zum letzten Mal zu Gast in Bremen. Die jahrzehntelange Freundschaft wird noch einmal in gebührender Hosen-Manier gefeiert.

Den Anfang machen am frühen Abend die Bad Nerves. Die britische Rockband legt bei schattigen 35 Grad ein stabiles musikalisches Fundament und bringt das Publikum in Stimmung, das, wenn auch noch verhalten, mitgeht. Die Band schafft einen rockigen Sound, der als Einstieg gut in den Abend passt. Rockmusik, die zugleich zum Träumen und zum Pogen einlädt. Musikalisch eine Mischung irgendwo zwischen den Ramones und Royel Otis. Ein schönes Warm-Up.

Danach geht es weiter mit Feine Sahne Fischfilet. Die spielen ein 45-minütiges Set, leisten bei den hitzigen Temperaturen harte Arbeit und machen das, wofür sie bekannt sind: Sie zünden das Publikum mit ihren alten Hits wie Alles auf Rausch, Zuhause und Geschichten aus Jarmen an. Außerdem spielen sie einige Songs ihrer aktuellen Platte: Wir kommen in Frieden, Manchmal finde ich dich scheiße, 15 Jahre, Grüße ins Neandertal. Zum Abschluss gibt es dann noch Komplett im Arsch zu hören. Dazu kommen Die Toten Hosen vom Bühnenrand gerannt und stimmen gesanglich mit ein. Monchi und Campino singen Arm in Arm den Refrain. Wir sind bereit für die Hosen!

Doch bevor es losgeht, gibt es noch eine Sache zu tun, wer schon einmal auf einem Hosen-Konzert war weiß, nichts geht ohne gehisste Fahnen auf beiden Seiten der Bühne. Darauf zu sehen der skelettierte Bundesadler und die Aufschrift „Bis zum bittereren Ende – Die Toten Hosen“.

Und dann beginnt die Show mit Opelgang. Es folgen Die Show muss weitergehen, Wir waren nie weg und Auswärtsspiel. Insgesamt spielt die Band 33 Songs, darunter natürlich Klassiker wie Bonnie & Clyde, Helden und Diebe, Alles aus Liebe, Pushed Again, Hier kommt Alex. In der Verlängerung oder eigentlich drei Verlängerungen, zwischen denen die Band von der Bühne geht, findet sich ein kleiner und mittlerweile vertrauter Gruß an eine Berliner Band namens Die Ärzte. Das Publikum grölt die Zeilen von Schrei nach Liebe mit. Mit Halbstark ist ein weiteres Cover von den Yankees ist zu hören. Nach weiteren Zugaben, wie Eisgekühlter Bommerlunder und Zehn kleine Jägermeister, spielt die Band wie immer You’ll Never Walk Alone (im Original von Rodgers und Hammerstein). Der Song ist schon lange nicht mehr nur Fußball-Hymne, er ist die Ode der Hosen geworden. An diesem Abend des Abschieds eine tröstliche Botschaft, die Campino, der diesen Abend bisher relativ gelassen durchlief, dann doch noch sichtlich emotional werden lässt. Und so wischt er sich ein paar kleine Tränen aus dem Augenwinkel und bedankt sich mit den Worten „Danke Bremen“.

Bremen oder vielmehr das Bremer Publikum hat an diesem Abend alles gegeben, um diese letzte Show der Hosen in der Stadt rund werden zu lassen. Wie es bei den Gigs der Hosen üblich ist, gab es Unmengen an Bengalos, fahnenschwenkende Fans und viel Liebe für die Menschen auf der Bühne.

Als dann im Abspann Ich Liebe Das Leben erklingt, kommt Campino noch einmal zurück, stimmt in die Stimme von Vicky Leandros mit ein und singt gemeinsam mit den Fans die Zeilen „Was kann mir schon gescheh‘n, glaub mir ich liebe das Leben. Das Karussell wird sich weiterdreh’n, auch wenn wir auseinandergeh’n“.

Wir hätten die Veranstaltung gerne selbst fotografisch dokumentiert. Da uns keine Akkreditierung gewährt und stattdessen offizielles Fotomaterial bereitgestellt wurde, basiert die folgende Darstellung auf unserer eigenen Rekonstruktion.

Und blickt man dann rüber zum Gebäude des Schlachthofs, an dem 1982 alles begann, so fühlt sich dieser Abschluss schon fast surreal an. Der Magazinkeller wäre an diesem Tag zugegebenermaßen etwas unterdimensioniert gewesen. Vom kleinen Punkschuppen auf die große Bühne 100m weiter in wenigen Jahrzehnten. Von der DIY-Band zur großen Nummer. Vor der Bühne Menschen verschiedener Altersgruppen, die teils über Jahrzehnte Fans sind und nun mit ihren Kindern anreisen. Eine Musikkarriere, wie sie das Leben schreibt – ein musikalisches Gesamtwerk.

 


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