Der Sonntag beim Hurricane Festival: Besonderes Jubiläumskonzert, spannende Debüts und hoffnungsvolle Newcomer
Zum Abschluss des diesjährigen Festivals spielen mit Billy Talent absolute Hurricane-Dauerbrenner eine Full-Album-Show ihres Erfolgsalbums „Billy Talent II“.

Scheeßel. Das war das 28. Hurricane Festival – nach einem abwechslungsreichen Tag mit sehr sommerlichem Wetter, endet das Spektakel auf dem Eichenring nach vier Tagen und etwa 80 Konzerten mit einem starken Konzert von Billy Talent. Vorher spielen Provinz erstmals als Headliner auf dem Hurricane, nachdem sie vor sieben Jahren noch nebenan auf dem Scheeßeler Heimat Festival auf der kleinen Wohnzimmerbühne standen. Die Füße schmerzen, die Ohren klingeln, die Sonne brennt, doch das tut der Euphorie keinen Abbruch. Unser Tag im Live-Blog von Malte Löhmann und Marcel Kloth.
12:00 Uhr: Wenn sich Ecca Vandal nur ein Live-Instrument für ihren Auftritt aussuchen durfte, hat sie mit dem akustischen Schlagzeug auf jeden Fall die richtige Entscheidung getroffen. Die peitschenden Rhythmen unterstreichen perfekt den Mix aus Rock und Rap, den die Australierin den zahlreichen Frühaufsteher*innen vor der Forest Stage präsentiert. Mal wird gerappt, mal gescreamt und zu „BLEED BUT NEVER DIE“ entsteht der erste Circle Pit des Tages. Bei einem Timeslot von gerade mal 30 Minuten sind natürlich einige Songs aus der Setlist geflogen. Hoffentlich sehen wir in ein paar Jahren mehr von Ecca Vandal auf dem Hurricane Festival.
12:30 Uhr: Ein weiterhin rockiger und hochklassiger Tagesstart! Die Sonne brennt und Staub wirbelt auf, es ist Zeit für Unpeople. Das britische Alternative-Rock-Quartett bringt mittags eine intensive Energie mit auf die River Stage. Soundlich zwischen heftigen Gitarrenriffs, harten Breakdowns und leidenschaftlichen Refrains, kombinieren sie ihre Live-Präsenz mit einer positiven, mitreißenden Abgedrehtheit. Perfekt, um gleichermaßen Wut rauszulassen und Spaß zu haben. Zum großen Finale lässt sich der Gitarrist samt Instrument auf den Händen im Circle Pit tragen.
13:00 Uhr: Eine sommerliche, gut gelaunte, tanzbare Dreiviertelstunde mit Rosmarin auf der Mountain Stage. Das Fünfergespann aus Kassel mixt Indie-Pop mit Funk und elektronischen Beats so leicht, dass es sofort in die Beine geht. Genau diese Mischung aus Euphorie und Chill-Momenten passt sehr gut in die entspannte Mittagssonne. Ganz viel positive Energie, die durch punktuellen Saxophon-Einsatz abgerundet wird.
14:15 Uhr: Kein Sommer ohne Zebrahead! Die kalifornischen Punkrocker zählen zu den absoluten Dauerbrennern auf deutschen Festivalbühnen und animieren die Menge vor der Bühne von Song eins an zu Sprüngen und Circle Pits. Seit über 20 Jahren zählen sie zu den aktivsten Punkbands ihrer Generation spielen sich rund um den Globus. Der gewaltige Sound aus kraftvoll-melodiösem Punk und aggressivem Rap ist ein sicherer Garant zum Moshen und Feiern. Kein Song ohne Hände in der Luft, kein Breakdown ohne springende Crowd. An der Bar auf der Bühne werden unterdessen auch Getränke für die Fans gemixt. Zebrahead ziehen in der Mittagshitze die Massen an!
15:00 Uhr: Vorhang auf für The Beaches! Bei den vier Kanadierinnen verschmelzen Power, Haltung und Spielfreude zu einer sonnigen und entspannten Festivalstunde. Schöne Musik trifft auf starke Haltung, ihre Songs klingen nach Freiheit und fügen sich so perfekt in den Festivalnachmittag ein. Live entfaltet ihre Musik ihre volle Wucht: Treibende Drums, wuchtige Gitarren und euphorische Refrains ziehen die vielen, gerade vorne eng stehenden Besucher*innen schnell in den Bann. Rockmusik als Lebensgefühl!
16:45 Uhr: Ähnlich wie Bosse gestern, startet Clueso solo mit seiner Gitarre vor dem großen Bühnenbanner seinen bekannten Song „Chicago“ – nach einiger Zeit fällt unter Jubel der Vorhang und seine neunköpfige Liveband kommt zum Vorschein. Von Drummer bis Gitarristen, von Bläserfraktion bis Saxophon sind sie bestens eingespielt und stehen auf einer schönen Bühne mit weißer Umrandung und Podesten, über ihnen prangt eine riesige LED-Leinwand. Hochwertige Musik im wunderschönen Setting, der Platz vor der River Stage ist bis nach hinten eng gefüllt. Sein Song „37 Grad im Paradies“ fühlt sich temperaturmäßig wahr an – ganz so extrem ist die Hitze nicht, aber in der knallenden Nachmittagssonne könnte das Setting nicht sommerlicher sein. Clueso und seine Band treten wie eine geschlossene Einheit auf, die Stimmung im Publikum ist ausgelassen und freundschaftlich. Ein sehr stimmungsvoller Auftritt – bei der sein Song „Love The People“ im Crossover-Stil geändert wird zu „Love Against The Machine“ und auf den Rhythmus von „Killing In The Name“ performt wird – dabei kommen dann auch die Hip-Hop-Wurzeln des Thüringers zur Geltung.
17:45 Uhr: Mit dreiköpfiger Liveband und DJ leitet Levin Liam auf der Mountain Stage das Abendprogramm ein. Der Hamburger spielt überwiegend Songs von seinem aktuellen, zweiten Studioalbum „PECH“, die er teilweise selber am Piano begleitet. Von diesem Album stammt auch „Fang“, ein gemeinsamer Track mit dem ebenfalls aus Hamburg stammenden Rapper und Produzenten c4rl, der für die Performance ebenjenen Songs mit von der Partie ist.
18:30 Uhr: Passend zum Sonnenuntergang tritt das australische Synthpop-Duo Empire Of The Sun auf der River Stage auf. Mit den typischen Gewändern und Tänzer*innen auf der Bühne ist der Auftritt nicht nur was für die Ohren, sondern auch für die Augen. Und weil Empire Of The Sun mehr als nur einen Hit haben, können sie es sich auch erlauben, „We Are The People“ bereits mitten im Set zu spielen. Für den krönenden Abschluss heben sie sich den Song „Alive“ bis zum Ende auf.
20:00 Uhr: Headliner-Debüt für Halsey auf dem Hurricane! Die US-amerikanische Popsängerin performt inmitten eines runden Torbogens mit nebelbehangener Treppe, hinter diesem steht ihre Live-Band. Atmosphärischer Pop mit kräftigem Rock-Einschlag und Feuer-Elementen, Musik zwischen zarter Intimität und dunklen, wuchtigen Sounds. Als Halsey bestätigt wurde, hat vielen der Name nichts gesagt, auch ist es nicht ganz so voll wie bei anderen Headlinern an diesem Wochenende. Alle, die der Einladung des Hurricane folgen, sich auf eine stilistische Weiterentwicklung einzulassen, werden schnell in den Bann gezogen. Eine Stunde zwischen kräftiger Rockmusik, eingängigen Pop-Melodien und elektronischer Schwere.
21:00 Uhr: 2019 haben Provinz auf der Nebenbühne des Heimat Festivals in Scheeßel ein Konzert gespielt. Heute, 7 Jahre später, kehren sie mit einer exklusiven Show und zwei unveröffentlichten Songs im Gepäck als Headliner des 30. Hurricane Festivals nach Scheeßel zurück und bespielen hier die zweitgrößte Bühne. Die vierköpfige Band vom Bodensee wird live an der Bratsche und einer zusätzlichen Gitarre begleitet und sorgt mit Songs wie „Pazifik“ oder „Zorn & Liebe“ für den ein oder anderen Gänsehautmoment.
22:30 Uhr: Zum Abschluss des diesjährigen Hurricane Festivals gibt es noch ein besonderes Konzert des letzten Headliners Billy Talent. Die Kanadier sind gern gesehene Gäste in Scheeßel und spielen eine Full-Album-Show ihres erfolgreichsten Albums „Billy Talent II“, das fast auf den Tag vor 20 Jahren erschienen ist. Sie eröffnen ihr Set entsprechend mit „Devil In A Midnight Mass“ und „Red Flag“ – zwei absolute Knaller gleich zum Auftakt. Auch Hits wie „Fallen Leaves“ und „This Suffering“ bringen selbst die müdesten Beine nochmal zum Springen. Das Album macht etwa zwei Drittel des heutigen Auftritts aus, anschließend spielen Billy Talent noch die größten Hits ihrer anderen fünf Alben, insgesamt sieben Songs finden noch Platz. Mit „Viking Death March“ erlebt das Hurricane Festival 2026 schließlich seinen Schlussakkord.
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