Nähe, Emotionen und Intensität
Heisskalt haben am Samstag auf ihrer „Lehnen im Licht“-Clubtour nach zehn Jahren wieder ein Konzert im Tower Musikclub gespielt.

Bremen. Heisskalt sind zurück in den Clubs! Nachdem die Band 2024 nach sechsjähriger Pause ihr Comeback feierte und im Januar 2025 mit „Vom Tun und Lassen“ ihr erstes neues Album seit sieben Jahren veröffentlicht hat, führt die aktuelle Tour sie nun erstmals wieder bewusst in kleine, intime Venues. Der Tower Musikclub bietet dafür am Samstagabend die perfekte Kulisse: gut besucht, überraschend aber nicht ganz ausverkauft, dicht gedrängt und trotzdem angenehm familiär.
Der Abend wirkt wie eine Rückkehr vieler Personen an einen vertrauten Ort. Zum dritten Mal überhaupt stehen Heisskalt in Bremen auf der Bühne, jedes Mal waren sie im Tower, jetzt erstmals wieder seit 2016. Auffällig viele Besucher:innen kommen tatsächlich direkt aus Bremen selbst. Auf den letzten beiden Touren mussten Fans der Region oft nach Hamburg fahren, um die Band live zu erleben. Umso größer wirkt die Freude darüber, dass Heisskalt diesmal wieder in der Hansestadt Halt machen.
Den Auftakt des Abends übernimmt die Kieler Band Manier, die sich aus vielen Einsendungen direkt an Heisskalt den Support-Slot sichern konnte und an diesem Wochenende die Shows der Tour eröffnet. Das vierköpfige Quartett passt musikalisch sehr gut ins Gesamtbild des Abends: harte, deutschsprachige Songs irgendwo zwischen Post-Hardcore und emotional aufgeladenem Alternative-Sound. Viel gesprochen wird nicht, Manier wirken bewusst roh, direkt und ungefiltert. Gerade diese reduzierte, beinahe blanke Bühnenpräsenz verleiht den Songs zusätzliche Intensität. Zwischen Verletzlichkeit und Feingefühl schaffen sie in ihrem knapp 30-minütigen Set bereits früh eine Atmosphäre, die perfekt auf den Hauptact vorbereitet.
Heisskalt selbst eröffnen den Abend schließlich mit „Wasser, Luft und Licht“, ihrer Comeback-Single vom aktuellen Album. Sofort liegt eine besondere, dichte Stimmung im Tower, die sich durch das gesamte Konzert zieht. Die Band präsentiert sich als genau jener mitreißende Live-Act, den viele während der langen Pausenjahre vermisst haben. Explosive Drums treffen auf flirrende Gitarrenlandschaften, darüber stets die ausdrucksstarken Vocals von Sänger Mathias Bloech. Mal werden Zeilen fast gesprochen, mal melodisch gesungen, mal mit voller Wucht herausgeschrien – ein Wechselspiel zwischen Post-Hardcore, Alternative und Indie, zwischen brachialem Lärm und herzzerreißender Zärtlichkeit.
Als viertes Stück des Abends folgt mit „Lehnen im Licht“ der titelgebende Song der Tour. Die Crowd zeigt sich dabei von Beginn an energiegeladen, tanzwütig und mitmachbereit. Heisskalt wirken nahbar und unmittelbar, nicht wie eine Band auf Distanz, sondern wie eine Gruppe, die am liebsten schwitzend auf kleinen Clubbühnen direkt vor ihren Fans spielt.
Ein besonderer Moment des Abends ist der gemeinsame Auftritt mit Nikra. Auf der letzten Tour noch selbst Support-Act, ist sie diesmal als Mercherin Teil der Tourcrew. Gemeinsam performen sie den Heisskalt-Song „Nicht anders gewollt“ vom Debütalbum „Vom Stehen und Fallen“, der letztes Jahr gemeinsam neu arrangiert erschienen ist. Anschließend bleibt Nikra direkt auf der Bühne und singt zusammen mit der Band ihren eigenen Song „Bewegen“ von ihrem kürzlich erschienenen Debütalbum „Über beide Ohren“. Produziert wurde das Album von Mathias Bloech, der bei diesem Stück wie auch auf der Studioversion den Feature-Part übernimmt. Am 15. Oktober steht Nikra auf eigener Tour selbst im Tower auf der Bühne – vielleicht dann erneut inklusive Crowdsurfing vom Tresen zur Bühne.
Etwas überraschend ist die vergleichsweise kurze Setliste. Vor der Zugabe stehen darauf nach rund 70 Minuten lediglich 13 Songs. Trotzdem wirkt der Abend nicht unvollständig. Zwar spielen Heisskalt insgesamt nur drei Songs vom Debütalbum „Vom Stehen und Fallen“ und der EP „Mit Liebe gebraut“ und lassen damit durchaus einige Fan-Favoriten aus, doch genau dafür kündigt die Band bereits ihre kommende Herbsttour an. Dann sollen beide Releases in Full-Album-Shows gefeiert werden, allerdings erneut nur in Hamburg und Hannover.
Zur Zugabe erzählt Mathias Bloech, dass seine Halbschwester samt Familie im Publikum ist und aus Bremen kommt, auch sein Vater stammt aus der Gegend. Die Frage, was eigentlich „zu Hause“ bedeutet, leitet direkt über in „Heim“, das zunächst solo beginnt und später gemeinsam mit Gitarrist Philipp Koch beendet wird. Mit „Teilchen“ findet der Abend schließlich seinen Abschluss in voller Besetzung. Kein brachiales Finale, sondern ein bewusst zurückgenommenes Ende eines Konzerts, das vor allem von Nähe, Emotionen und Intensität lebt.
Seht euch hier unsere Konzertfotos an:
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