Rückwärts durch ein Vierteljahrhundert
Silverstein spielen bei ihrem Jubiläumskonzert in der Hamburger Großen Freiheit Songs aller zwölf Studioalben und haben obendrein gleich drei weitere Bands dabei.

Hamburg. Eine Martinee ist per Definition eine künstlerische Veranstaltung, die vormittags oder nachmittags stattfindet. Kaffee und Kuchen wurde zwar nicht mehr gereicht, als sich bereits um 17 Uhr die Türen der Großen Freiheit 36 für den Jubiläumsabend von Silverstein öffnen, durch den ungewöhnlich frühen Beginn fühlt es sich eher an wie der erste Festivaltag des Jahres. Die Kanadier haben sich gleich drei weitere Bands eingeladen, um mit ihnen ein Vierteljahrhundert als Band zu feiern – und da durch den anschließenden Discobetrieb an der Hamburger Partymeile der Zeitplan streng ist, geht es eben entsprechend früh los.
So wird nach Einlass nicht viel Zeit verloren und für die bereits früh anwesenden Besucher*innen bekommen am späten Nachmittag bereits ein erstes, richtig lautes Rock-Brett um die Ohren gefeuert. Die Melodic-Hardcore-Gruppe Bloom aus Australien eröffnet das kleine Indoor-Festival, die fünfköpfige Gruppe aus Sydney heizt die Große Freiheit mit ihrem Metal bereits das erste Mal auf. Gegen 18 Uhr knüpft die Mathcore-Band The Callous Daoboys für gute 40 Minuten unmittelbar an. Angereist aus Atlanta in den USA, bleibt besonders die Violinistin der Band in Erinnerung, die sich headbangend in die Songs wirft. Moshpits im Innenraum bilden sich und wer zum vermeintlichen Ende beim Intro von „Unwritten“ aus den Boxen bereits den Gehörschutz entfernt, sollte kurze Zeit später von einem heftigen Ausbruch durchgerüttelt werden – Schluss ist erst, wenn die Instrumente eingepackt sind.
Erneut wird nur 15 Minuten umgebaut, und nun darf auf der Jubiläumstour „25 Jahre Silverstein“ eine Gruppe auf die Bühne, deren Historie noch weiter zurückreicht. Die ebenfalls aus den USA eingeflogene Post-Hardcore-Band Thursday gründete sich bereits 1997, hat durch die Auflösung zwischen 2011 und 2016 aber dennoch weniger Bandjahre auf dem Buckel als die folgenden Headliner. Sie berichten dem Hamburger Publikum, dass sie zudem vor gut einem Jahr ihren ersten Song nach mehr als einem Jahrzehnt veröffentlicht haben – den gibt es natürlich auch direkt auf die Ohren.
Bereits seit der Jahrtausendwende versorgen Silverstein aus Kanada ihre Fans mit Post-Hardcore-, Emo- und Pop-Punk-Tunes. Ganz frisch ist am 21. Februar ihr bereits zwölftes Studioalbum „Antibloom“ erschienen – und mit „Skin & Bones“ und „Confession“ daraus beginnt der Jubiläumsabend der fünfköpfigen Gruppe. Zuvor sehen die Besucher*innen in der Großen Freiheit 36 als Intro einen Film mit Material der letzten 25 Jahre.
Die vier Musiker stehen ebenerdig auf der Bühne, nur Schlagzeug Paul Koehler thront im Hintergrund über ihnen, links und rechts von ihm große LED-Wände. Die Kombo um Frontmann Shane Told spielt sich ohne große Unterbrechungen rückwärts durch ihre Biographie – begonnen bei den anfangs erwähnten, zwei aktuellen Songs, zurück zu „The Altar / Mary“ vom vorletzten Werk „Misery Made Me“ und so weiter. Früh im Set kommen so beliebte Stücke wie „Infinite“, „Bad Habits“ und „The Afterglow“ vor, bevor es langsam nostalgischer wird. Von alle zwölf Studioalben werden ein bis drei Songs vorgetragen – mit nur einer einzigen Ausnahme.
Im Jahr 2004 spielten Silverstein ihre erste Deutschland-Show im Hamburger Logo, erzählen sie auf der Bühne. Kurz danach erschien mit „Discovering The Waterfront“ ein Album, das wesentlich zum internationalen Durchbruch der fünf Kanadier beitragen hat. Das bereits dritte Stück daraus, „Smile In Your Sleep“, ist der vorläufige Abschluss vor der Zugabe, bevor Shane Told im Bonus-Block das sich ebenfalls auf diesem Album befindende „My Heroine“ ganz alleine, ruhig und akustisch anstimmt. Ein besonderer Moment, bevor das Konzert mit zwei Stücken des Debütalbums nach genau 90 Minuten endet.
Seht euch hier unsere Konzertfotos an:
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