Mit Badezeug in den Festival-Pit

Zwischen Wohnzimmerbühne und Wechselklamotten: Das "Rock am Beckenrand" im Harz mit Bands wie Donots, Deine Cousine oder Raum27.

RaB24 - Deine Cousine (Bild: DJ)

Wolfshagen im Harz. Es ist Breminale 2024 und ich treffe ein festivalbegeistertes Paar. Er: trägt ein Sweatshirt „Rock am Beckenrand 2022“. Ich studiere das auf dem Rücken aufgedruckte Line-Up. Und sie: bemerkt das und fragt mich mit leuchtenden Augen: „Willste mal hin? Ist mein Lieblingsfestival.“ Ich werde jetzt echt neugierig. Das Rock am Beckenrand wird vom gleichnamigen Verein in Wolfshagen im Harz veranstaltet. Ein Verein? Das verbinde ich bisher eher mit Sport oder so. Dieser Verein jedoch organisiert und veranstaltet ein Festival. Das fällt auf!

Ich spreche daraufhin mit dem Vereinsvorsitzenden Peer Peters. Das Freibad wurde 2004 durch den gemeinnützigen Waldfreibad Wolfshagen e. V. übernommen. Quasi die Geburtsstunde des Wölfi Bades. Der Verein sorgte für das Weiterleben des Bades und dessen Renovierung. Kaum war die Arbeit beendet, fragte man sich „Und was machen wir jetzt?“ – und kam auf die Idee: Ein Festival. Am Beckenrand. So wurde seit 2007 das Rock am Beckenrand veranstaltet. 2016 wurde der ebenfalls gemeinnützige Rock am Beckenrand e. V. gegründet, der seit 2017 das Bad für das Festival anmietet.

Der freundlichen Einladung des Vereins, für HB-People.de zu berichten, folge ich sehr gerne und betrete durch den freibadtypischen Eingang das zum Festival-Infield umgewidmete Schwimmbadgelände. Links die Sonnenwiese, jetzt mit der großen Mainstage. Rechts das Schwimmbecken, dahinter direkt die kleinere Poolstage. Wer hier nach vorne in den Pit will, braucht nicht nur das Festival-Bändchen, sondern auch Badezeug. Oder später Wechselklamotten. Oder TbT (Trocknung beim Tragen). Grandios! Ich gehe um das Schwimmbecken herum, entlang der Getränke- und Essensstände, die richtig was bieten und absolut keine Assoziation mit den berühmten Freibad-Pommes zulassen.

Zwischen den Ständen liegt die „Wohnzimmerbühne“, wo junge Bands auf der Couch (!) sitzend spielen dürfen, zeitlich gut platziert in den Umbaupausen der größeren Bühnen. Auf dem Grünstreifen am Rande des Beckens ist trotz der Fülle an Ständen und Menschen auch Platz für Picknickdecken. Das Schwimmbadgelände ist gut ausgenutzt aber nirgends „eng“. Alle Wege sind sehr kurz, typisch für ein solches kleineres Festival. Das gesamte Gelände ist umgeben von einer steilen Hügelkette, Harz-typisch. Am gegenüberliegenden Steilhang steht in riesigen aus Stahlblech angefertigten, beleuchteten Buchstaben „Rock am Beckenrand“. Am 5-Meter-Sprungturm befestigt ist eine große aufblasbare Rutsche. Was haben sich Leute des Vereins reingehängt, es alles schön zu machen..!

Donnerstagabend gibt es bereits den Festival-Auftakt im Ortskern an der Kirche. Hier möchte der Verein denen, die nicht nur zum Festival anreisen sondern hier leben, ein kostenloses musikalisches Dankeschön sagen. Eine sehr schöne Geste und ein stimmungsvoller, witziger, voll gelungener Abend.

Freitag, erster Festival-Tag. Die Besucher strömen aufs Gelände des Wölfi-Bads. Es sind sämtliche Altersgruppen vertreten, alle vereint in toller Stimmung. Und so stürze ich mich in dieses Festival und lassen mich auf einer Welle der guten Laune und durchgehend starken Auftritten durch den Freitag und Samstag tragen mit einem breitbandig angelegten Line-Up: Donots, ZSK, Itchy, Raum27, Deine Cousine, Ok.Danke.Tschüss, Liedfett, Engst, Jack Pott, Butterwegge, Our Mirage, Shirley Holmes, Marie Curry, Reis Against The Spülmachine, About Monsters, MandelKokainSchnaps, The Sensitives, Awesome Scampis, Womuka, Fraupaul, Fabian Navarro, Richie Miller House Band, Pisstole, Dinge die Brennen, RAW, HansHeinzPeterGeorgFritz, Purple Trees, Lars Begerow, Rausch.Akkumulation, Lizzy, Aaron Magie.

Bands, die hier spielen, dürfen damit rechnen, dass sie nicht nur „Zugabe“-Rufe ernten, sondern unmissverständlich auch „In den Pool! In den Pool! In den Pool!“. Und einige, wie Tristan (Raum27) oder Ina (Deine Cousine) erfüllten diesen Wunsch. Ausnahmslos alle Bands sprachen ihre Zuneigung zu diesem Festival aus. Aus dem Mund von Ingo (Donots) klingt das wie ein Ritterschlag. Und Raum27 haben sogar in Kauf genommen, gleich auf zwei Festivals an einem Tag zu spielen und dazwischen neun Stunden auf der Straße zu verbringen, nur um das Rock am Beckenrand wahrnehmen zu können.

Und ich darf mich backstage umsehen. Ein tolles Engagement der Vereinsleute. Durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit wird das Line-Up mit großen Acts erst möglich. Die fleißigen Crewmitglieder und die Bands werden mit frisch zubereiteten Speisen gut versorgt, der für die Künstler*innen aufgebaute Zelt-Aufenthaltsbereich ist eine Oase. Das emsige Treiben auf der Laderampe hinauf zur großen Bühne ist interessant zu beobachten.

Das Festival bietet zudem eine großzügig angelegte Zeltwiese mit mobilem Supermarkt, sowie zwei Wohnmobil-Stellplatz-Standorte. Das Festivalgelände ist von allen Standplätzen aus fußläufig in nicht mehr als 20 Minuten erreichbar.

Dieses Festival hat einen festen Platz in meinem Jahreskalender gefunden.

Seht euch hier unsere Festivalbilder an:

 


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