Team Dresch: Dreißig Jahre später wieder laut
Team Dresch sind zurück in Europa. Im Bremer Tower treffen die Queercore-Legenden auf ein Publikum aus mehreren Generationen - und liefern eine Punkrock-Show, die nach dreißig Jahren Pause erstaunlich frisch und druckvoll klingt.

Bremen wird in diesem Spätsommer mit mehr oder weniger exklusiven Konzerten verwöhnt. Erst spielte James McMurtry auf Einladung von Bremen Zwei eine exklusive Deutschland-Show. Eine Woche später folgte Chuck Ragan, Anfang des Monats waren die Waliser von Mclusky mit einem von nur zwei Deutschland-Konzerten im Kulturzentrum Lagerhaus zu Gast. Und nun Team Dresch.
Mehr als dreißig Jahre hat es gedauert, bis die Queercore-Legenden es wieder nach Europa schafften. Zwar spielt die Band auf dieser Tour mehrere Konzerte, aber Bremen ist eben auch dabei. Zum Glück!
Bisher waren Team Dresch nur ein einziges Mal in Europa auf Tour und somit auch nur ein einziges Mal in Bremen. 1996 war das, im Kulturzentrum Schlachthof. Veranstaltet hatte das Konzert damals Dolf Hermannstädter vom Trust Zine, der auch dieses Mal im Publikum anzutreffen war und von der Bühne aus zusammen mit Bettina Geile, die jahrzehntelang im Schlachthof gearbeitet hat, gegrüßt wurde.
Angeblich war es auch Dolf, der Team Dresch geraten hatte, erst wieder nach Europa zu kommen, wenn die Band eine neue Platte hat. Diese ist seit zwei Wochen auf dem Markt.
Zwar wurden einige neue Songs gespielt, der Hauptanteil des Sets lag allerdings in den 1990er-Jahren. Das Publikum hatte einen guten Altersdurchschnitt. Einige waren sicherlich schon vor dreißig Jahren im Schlachthof dabei, andere wiederum damals noch nicht geboren. Das zeigt, wie zeitlos die Musik von Team Dresch ist und welche Bedeutung die Band bis heute für Menschen hat – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder ihrem Alter. Die Band selbst freut sich darüber sichtlich und betont von der Bühne aus immer wieder, wie wichtig ihr ein vielfältiges Publikum ist.
Liebe liegt in der Luft. Der Hass kann draußen bleiben. Insbesondere der Hass, der queeren Menschen vonseiten der Rechten entgegengebracht wird. Auf diese Thematik wird zwischen den Songs von der Bühne aus immer wieder hingewiesen. Dennoch wird an das Gute geglaubt. An die Kraft einer Punkrock-Show.
Denn nichts anderes war das Konzert von Team Dresch. Die Band kam pünktlich um 21 Uhr gut gelaunt auf die Bühne und machte zunächst einen Scherz darüber, mit wem aus der Band das Publikum Sex haben möchte. Das überforderte die Anwesenden etwas, da sie nicht wussten, wie sie darauf reagieren sollten.
Anschließend gab es etwas Gitarrengeplänkel und sanftes Gesinge. Bis die komplette Band einsetzte und eine Soundwand das Publikum beinahe an die Wand drückte. In der Vergangenheit gab es immer mal wieder Diskussionen über den Sound im Tower. Bei Team Dresch war das nicht der Fall. Messerscharf, laut, drückend – wie eine gute Punkrock-Show sein sollte, ohne aufgesetzt zu wirken.
Nach einer knappen Stunde gab es den Hit „Don’t Try Suicide“ und schon war das einstündige Konzert um 22 Uhr vorbei. Mehr braucht es manchmal nicht.
Vorab spielten Goose Pants ihren Indie-Rock, der zumindest von den ersten Reihen gut aufgenommen wurde.
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