Reload Festival 2026 – Punk-Rock, Metal und…. Eurodance?
Der letzte Festivaltag bot nicht nur Highlights aus dem Metal, sondern konnte auch mit einem ganz besonderen Opener aufwarten.

Sulingen. Nachdem die beiden vorangegangenen Tage schon den ein oder anderen großen Moment geboten haben, ging es am Samstag noch einmal in die Vollen. Schon morgens konnte der letzte Festivaltag ein unerwartetes Highlight bieten.
Am frühen Morgen stand ein ungeahntes Highlight auf der PlazaStage. Die Vengaboys schöpften die gesamte Kapazität vor der Stage aus und verbreiteten ab der ersten Sekunde Partystimmung. Das Publikum fraß den Niederländern förmlich aus der Hand, während diese der tanzwütigen Masse Songs wie „We’re Going To Ibiza!“, oder „Up & Down“ entgegenwarfen. Der Eurodance-Act hätte wahrscheinlich selbst nicht geglaubt, dass sie so gut auf einem Metal-Festival ankommen würden. Es wurde ausgelassen gefeiert, unzählige Seifenblasen waberten durch das Publikum und jedes nur erdenkliche Wasserspaß-Spielzeug wanderte über zahlreiche ausgestreckte Hände. Nachdem die Vengaboys herausgefunden hatten, was ein Circlepit ist, feuerten sie das ausgelassene Publikum unentwegt dazu an. Weiter ging die Fahrt Richtung Ibiza, bis die vier Damen und Herren mit „Boom, Boom, Boom, Boom!!“ das Set schon nach knappen 35 Minuten beendeten. Gemessen an den Erwähnungen anderer Bands in ihren Ansagen und der ausgelassenen Stimmung, ganz klar der heimliche Headliner des Tages.
Weiter ging es auf der MainStage mit einer Portion Nu-Metal. Die Sprösslinge von Slipknot Sänger Corey Taylor und Percussionist Shawn Crahan standen mit ihrer Truppe Vended im Anschlag. Mit viel Energie preschten die fünf Jungspunde mit dem Opener „Nihilism“ los. Schon nach wenigen Momenten war die Ähnlichkeit von Sänger Griffin Taylor zu seinem Vater unverkennbar. Stimme und Acting kamen einem seltsam vertraut vor. Trotz aller Ähnlichkeiten standen die Fünf aber musikalisch auf eigenen Beinen und kamen wesentlich schroffer um die Ecke, als ihre Väter. Das Publikum konnten sie auf jeden Fall schnell auf ihre Seite ziehen und nach einer kurzen Aufwärmphase kam auch Bewegung in die Anwesenden. Überzeugen konnten die Amerikaner, trotz der kurzen Spielzeit, auf alle Fälle und Songs wie „Serenity“ und „Asylum“ waren kleine Highlights am frühen Vormittag.
Mit 100 Kilo Herz wurde nun auf der PlazaStage erneut das Tanzbein geschwungen. Der mit Blechbläsern untermalte Punk-Rock der Leipziger schien zu dem Zeitpunkt genau das gewesen zu sein, wonach sich das Publikum sehnte. Der Platz war trotz des frühen Slots brechend voll und die Sechs legten brettstark mit Songs aus ihrem aktuellen Album „Hallo, Startblock“ los. Es wurde ausgiebig getanzt und lauthals mitgesungen. Einfach eine Gute-Laune-Band, obwohl die Jungs ein wenig aus dem restlichen Line-Up des Tages herausstachen. Was soll’s! Crowdsurfer buhlten mit der Viva-Con-Aqua-Lady in ihrem Schlauchboot um die Hände der Anwesenden. Zahlreiche kleine Pits waren über das Gelände verteilt und jede Menge Spaß in den Gesichtern der Besucher zu erkennen. Nach 35 Minuten war eines der amüsantesten Sets des Tages leider schon vorüber.
Misery Index boten auf der PlazaStage nun das genaue Gegenteil. Tief, ernst und roh prügelten die Amerikaner ihren mit Hardcore-Einflüssen durchzogenen Deathmetal auf die Besucher ein. Brecher wie „Feral Future“, oder „New Salem“ ließen die Herzen aller Deathmetal-Fanatiker höher schlagen. Mit extrem druckvollem Sound preschten die vier Herren weiter und entfachten ganz nebenbei den wohl größten Circlepit, den die kleine Bühne an diesem Tag gesehen hatte. Auch, wenn sich die Show der Amerikaner leider immer nur auf soliden Standfußball runterbrechen lässt, sprach die musikalische Darbietung Bände und war eine Wonne mitzuerleben. „The Great Depression“ gab den Anwesenden dann noch einmal den Rest, bevor der Spuk nach rasanten 40 Minuten auch schon vorbei war.
Wieder bei der Hauptbühne angekommen, starteten bereits Future Palace in ihr Set. Ein wenig verloren wirkte das Trio um Sängerin Maria auf der riesigen Bühne, auch wenn ein imposantes Banner die komplette Rückseite bespannte. Musikalisch gaben die drei Berliner aber alles und die Mischung aus Alternative und Post-Hardcore ging gut ins Ohr. Leider schienen die doch sehr zahlreichen Backing-Tracks zeitweise nicht zugunsten der Drei zu arbeiten. Teilweise ohrenbetäubend laut, zeitweise kaum wahrnehmbar, drückten die Ergänzungen von Gesang, Gitarre und Drums doch das Gesamtbild. Die Besucher konnten die Berliner trotzdessen mit Songs wie „Paradise“, oder „Dead Inside“ mitreißen.
Nun wieder bei der kleineren Bühne angekommen, stand mit Gaerea mein persönliches Tageshighlight bereit. Leider warteten die portugiesischen Post-Black-Metaller mit dem schlechtesten Sound des Festivals auf, sodass der Einstieg in den Opener „Nomad“ matschig und drucklos daherkam. Schade! Das sollte aber der Performance der gänzlich verhüllten Damen und Herren nicht im Wege stehen. Schnelle Black-Metal-Riffs trafen hier auf hoch melodiöse Refrains, gepaart mit einer theatralischen Körpersprache des Sängers. Auch einen Seltenheitswert bot die Tatsache, dass der Sänger das Publikum zu Circle- und Moshpits animierte, welches ihm, abseits des vielleicht unpassenden Genres für diese Aktivitäten, dankend folgte. Weiter ging der eiskalte Ritt über Kracher wie „Submerged“ und „Phoenix“. Bemerkenswert war, dass das knapp 35 Minuten andauernde Set ausschließlich aus Songs des diesjährigen Albums „Loss“ bestand, obwohl die Portugiesen schon eine beachtliche Diskographie aufweisen können. Den Abschluss der Show bildete das grandios dargebotene „Hellbound“, dessen Refrain lauthals von allen Beteiligten mitgebrüllt wurde.
Auf der Hauptbühne wurde es nun laut. The Ghost Inside preschten derartig druckvoll mit ihrem Hardcore-lastigen Metalcore voran, dass einem die Ohren wackelten. Die Amerikaner starteten gleich mit dem Brecher „Engine 45“, welcher beim Publikum sofort zu Ekstase führte. Ein riesiger Pit öffnete sich innerhalb von Sekunden. Weiter ging der energiereiche Trip mit dem über den tragischen Busunfall der Band handelnden Song „Aftermath“. Immer noch krass mit anzusehen, dass Drummer Andrew seitdem mit nur noch einem Bein und einer Sonderkonstruktion spielt. Komplette Eskalation gab es dann beim nachfolgenden „Avalanche“. Hier hielt das Publikum die Securitys ordentlich bei Laune, denn im Sekundentakt schwappten Crowdsurfer in den Bühnengraben. Nach gut 40 Minuten zerlegten die fünf Herren noch einmal alles mit „Death Grip“. Hier blieb kein Stein auf dem Anderen und die Show endete mit einer riesigen Wall Of Death und tosendem Applaus für die Amerikaner.
Ebenfalls auf der Hauptbühne wurde es nun theatralisch. Avatar luden die Besucher ein zu ihrer „Freakshow“. Die exzentrischen Melo-Deather bretterten gleich mit „Let It Burn“ los. Kräftig drückte der Sound von der mit einem riesigen „Avatar“-Schriftzug dekorierten Stage, während Sänger Johannes Eckerström sich in jede erdenkliche, groteske Clownspose schmiss. Die Herzen der Anwesenden hatten die Schweden schon längst auf ihrer Seite, als sie den nächsten Brecher „The Eagle Has Landed“ anstimmten. Ganz in der Rolle des Horrorclowns gestalteten sich auch die Ansagen und kleinen Anekdoten, welche Sänger Johannes in einwandfreiem Deutsch zum Besten gab. Hut ab dafür! Höhepunkt der knapp 45 Minuten mit den Göteborgern war dann natürlich das Doppelpack aus „Smells Like A Freakshow“ und „Hail The Apocalypse“. Bei letzterem wunderte man sich nur, dass sich die Fünf vor lauter Windmill-Headbanging nicht die Köpfe abgeschraubt hatten. Den Anwesenden gefiel dieser Anblick natürlich und die Schweden wurden unter tosendem Applaus verabschiedet.
Aber nun schnell ins Affliction-Shirt geschmissen und die Flammen-Tattoos freigelegt, denn Godsmack, die „Butt Rock“-Legenden der frühen 00er, standen schon auf der Hauptbühne bereit. Mit astreinem Sound legten die Amerikaner rasant los. Das erst noch recht verhaltene Publikum brach spätestens beim ersten Hit „Straight Out Of Line“ auf und die Stimmung stieg ab diesen Zeitpunkt spürbar. Sänger Sully Erna animierte durchgängig die Anwesenden, welche zu Songs wie „Awake“ mächtig abgingen. Der Ritt ging weiter durch ein kleines Potpourri aus diversen Songs der Bandgeschichte. Kurz vor Schluss der einstündigen Show ging das Set in ein ausschweifendes Drumsolo über, welches sich Sully Erna mit dem neuen Drummer Mike Mangini (ehemals Dream Theater) lieferte. Nach knappen 15 Minuten Trommelei näherte sich die Show dann langsam dem Ende. Den Abschluss bildete natürlich ein sauber performtes „I Stand Alone“, nach welchem sich die vier Herren in lautem Applaus baden lassen konnten.
Aber nun schnell rüber zu kleineren Bühne. Bei Amorphis wurde nun das zweite Mal an diesem Tag die neue Kapazitätsgrenze der PlazaStage voll ausgeschöpft. Auch schien die Bühne selbst bei diesem Act aufgrund des aufwändigen Bühnenaufbaus an ihre Grenze zu kommen. Ein riesiger, knöcherner Vogel wurde von Schlagzeug und Keys gerahmt. Souverän preschten die finnischen Melo-Deather mit Songs ihres aktuellen Albums „Borderland“ los. Melancholisch und kalt bauten die sechs Herren ihre beklemmende Atmosphäre auf. Größtenteils im unteren Tempobereich walzten die Finnen durch ihr Set. Höhepunkt des ersten Aktes war ein grandios dargebotenes „Black Winter Day“. Tiefe Growls wechselten sich mit melodiösen, klaren Passagen ab. Als die Herren nun „House Of Sleep“ anstimmten, wurde der schmalzige Refrain lauthals mitgesungen. Zum Ende des Sets wurde es aber spürbar lichter vor der Bühne – nicht aus mangelnder Qualität der Finnen, sondern wollten die meisten wohl einen guten Platz vor der MainStage für den Headliner des Tages ergattern.
Die Hauptbühne zeigte sich nun in einem apokalyptischen Gewand. Vom Bühnendach waren große Leuchtkörper abgehangen, welche mit verdrehten LED-Seilen verbunden wurden. Diese Szenerie erinnerte ein wenig an die Maschinen im Film „Matrix“. Mit dieser Kulisse im Hintergrund stürmten In Flames direkt mit „Colony“ auf die Bühne. Der Sound war ab dem ersten Moment präzise und kraftvoll, sodass die Anwesenden in Kombination mit der gewaltigen Lightshow direkt eingefangen wurden. Spätestens zu „Only For The Weak“ ging dann mächtig die Post ab. Sänger Anders Fridén animierte die Anwesenden zum gemeinsamen Springen, im Takt des stampfenden Beats. Die Band schien jetzt schon die gemeinsame Zeit mit dem Reload-Publikum zu genießen und brachte im ersten, sehr in der modernen Diskographie angesiedelten, Akt einen Kracher nach dem Anderen an den Start. „Meet Your Maker“, „Voices“ und „Paralyzed“, alle Tracks zündeten bei den Anwesenden sofort und wurden laut gefeiert. Ungefähr bei der halben Strecke angekommen, änderte sich der Charakter der Show spürbar. Der kalte, technische Look wurde zugunsten wärmerer Beleuchtung und vieler Animationen auf der gewaltigen LED-Rückwand getauscht. Dies spiegelte auch die Songauswahl wider, welche sich nun auf die „Sense Of Purpose“- und „Reroute To Remain“-Phase konzentrierte. Songs wie „Trigger“, „The Quiet Place“ und „Cloud Connected“ brachten das Publikum zu Höchstleistungen. Auch wenn die vergangenen Tage an einem zerrten, hier wurden nun die letzten Reserven mobilisiert. Mit „Artifacts Of The Black Rain“ ging es dann in einen Endspurt, der sich gewaschen hatte. Zu „I Am Above“ und „Take This Life“ wurde noch einmal alles abgerissen, hier stand die Bühne buchstäblich in Flammen, bis mit dem imposanten, jährlichen Feuerwerk untermalt von „Alias“ die Show und das Festival unter ohrenbetäubendem Applaus beendet wurde.
Reload, See You Next Year!
Seht euch hier unsere Festivalbilder des dritten Tages an:
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