Reload Festival 2026 – Hitze, Staub und der Metal-Gott

Der zweite Festivaltag hatte ebenfalls allerlei zu bieten und toppte in Sachen Hitze, Staub und den ganz großen Namen im Line-Up noch einmal den Donnerstag.

Judas Priest - Foto: jk

Sulingen. Nachdem der Donnerstag schon echte Highlights bot, stand der zweite Festivaltag ihm kein Stück nach. Mehr Hitze, mehr Staub und der große Headliner standen auf dem Programm. Knappe 38°C brachten nicht nur Bands und Besucher an ihre Grenzen, sondern auch das Personal an den Kaltgetränke-Ständen. Also das mittlerweile warme Dosenbier aufgemacht und los geht’s!

Den Startschuss in den Freitag machten für uns Alien Ant Farm auf der Hauptbühne. Souverän pumpten die Kalifornier ihren gefälligen Rock von der großen Bühne den, für die frühe Stunde zahlreichen Besuchern entgegen. Witzig anzusehen war der Backup-Sänger, welcher im hinteren Bühnenbereich, neben dem Drumkit, mehr oder weniger für sich allein ordentlich Party machte. Viele Anspielungen an MTV, die frühen 00er-Jahre und die Performance der Fünf schickten einen natürlich „Deep Down Memory Lane“. Vom Nostalgiefaktor mal abgesehen gingen die Songs der als One-Hit-Wonder verschrienen Band runter wie Öl und machten gewaltig Spaß. Auch die Stücke des aktuellen Outputs „Mantras“ gingen gut rein und die Anwesenden feierten die Amerikaner gut ab. Zum Abschluss stimmten die Fünf aber den Song an, auf den alle gewartet hatten. Zu „Smooth Criminal“ wurden dann ordentlich das Tanzbein geschwungen, bis die Truppe unter lautem Applaus verabschiedet wurde.

Nun aber schnell rüber zur PlazaStage. Nach dem gefälligen Rock von Alien Ant Farm stand mit Cytotoxin ein echtes Brett auf der Bühne. Die Chemnitzer preschten gleich mit ihrer kruden Mischung aus Technical- und Brutal-Deathmetal voran. Ab den ersten Tönen war klar, wo der Hase die nächsten 35 Minuten hinläuft. Rasend schnelle Blastbeats, gutturaler Gesang und eine Menge cheesy Chernobyl-Anspielungen in den Ansagen. Die Fünf konnten sich schnell die Gunst der Anwesenden erspielen und die ersten Bewegungen waren sofort zu sehen. Sänger Grimo stachelte unentwegt das Publikum an und dieses gehorchte ihm schnell. Mehrere Circle-Pits wurden unterlegt von wüstem Geballer gezündet und endeten jedes Mal in einem noch größeren Moshpit. Highlights waren die Ausflüge zum 2025er-Album „Biographyte“, welches bei mir im letzten Jahr schwer auf dem Plattenteller lag. Ein persönliches Highlight des Tages!

Nicht minder brutal ging es auf der Hauptbühne weiter. Fit For An Autopsy drückten sofort ihren Deathcore in die Mittagshitze und den Anwesenden entgegen. Man merkte dem Publikum ab diesem Zeitpunkt aber die brennende Sonne an, denn die Pits wurden ein wenig kleiner und nur noch die „Die-Hard-Fans“ standen dicht gedrängt vor der Bühne. Die übrigen Besucher schienen schattige Plätze und den Verzehr von Kaltgetränken zu bevorzugen. Das soll keineswegs heißen, dass bei den Herren aus New Jersey wenig los war, aber im Gegensatz zum Vortag war es eher eine Siesta-Stimmung. Brutal drückten die Fünf aber ihre Kracher wie „Black Mammoth“, oder „The Wretch“ in die Mittagssonne. Trotz Hitze wurden die Herren gebührend gefeiert und es wurde nach mehr verlangt, sodass die Amerikaner ihr knapp 40 Minuten langes Set mit dem Kracher „Far From Heaven“ beendeten.

Skurril ging es auf der kleineren Bühne mit Broken By The Scream weiter. Wie im letzten Jahr, hat es wieder eine Kawaii-Band in das Line-Up geschafft. Dieses Mal gab es aber gleich vier Sängerinnen, plus Begleitband. Als die japanische Metal-Idol-Girlgroup die ersten Töne anstimmte, war aber sofort klar, dass man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen sollte. Denn hier gab es brettharten Deathcore, gepaart mit J-Pop-Refrains geliefert. Tanzeinlagen, welche Detlef D Soost neidisch machen würden durchzogen das gesamte Set und verbreiteten einen ganz eigenen Charme. Besonders gut gingen die Songs des aktuellen Albums „Solar Strain“ ins Tanzbein. Auch wenn man Casting-Bands skeptisch gegenüberstehen sollte, hier kann man vielleicht doch ein Ohr riskieren.

Brutal kann nur annähernd den nächsten Act auf der MainStage beschreiben. Paleface Swiss traten einem gleich direkt mit dem Stiefel ins Gesicht. Totaler Abriss auch im Publikum, wo die Leute trotz sengender Sonne sofort einen riesigen Pit aufmachten. Die Züricher erinnerten mich musikalisch ein wenig an Frühphase Slipknots, gepaart mit brettharten Deathcore-Breakdowns. Mit dieser energiegeladenen Mischung bolzten die fünf Herren souverän voran. Auch wenn man während des Sets förmlich gebraten wurde, gaben die Anwesenden zu Songs wie „Nail To The Tooth“ alles. Krass mit anzusehen, welche Fanbase sich die Schweizer in kürzester Zeit erspielen konnten, da sie vor zwei Jahren, an gleicher Stelle, noch morgens vor einer mäßig gefüllten Bühne standen. Den Abschluss der gefühlt viel zu kurzen Show, bildete dann das Doppelpack aus „Everything Is Fine“ und „Let Me Sleep“ von der diesjährigen „The Wilted“-EP. 

Nach einer kurzen Pause ging es dann zu Airbourne. Der Highspeed-Rock’n’Roll der Australier ging sofort gut ins Ohr und hatte ebenfalls schnell die Sympathien des Publikums auf seiner Seite. Sänger Joel lief ab der ersten Sekunde, wie gewohnt, durchgehend von einer Bühnenseite auf die andere und heizte unentwegt dem beachtlichen Publikum ein, während seine Bandkollegen in alter AC/DC-Manier den Rhythmus hielten. Songs wie „Too Much, Too Young, Too Fast“, oder „Raise The Flag“ zündeten wie eine Rakete und alle Anwesenden gingen steil. Da Joel an diesem Abend, bedingt durch die Bühnenkonstruktion, keine Klettertour auf das Bühnendach unternehmen konnte, wurde kurzerhand einer der Securities gesattelt und während eines ausgiebigen Gitarrensolos ein kleiner Ritt durch das dichtgedrängte Publikum unternommen. Der kleine Ausflug sollte aber schon den Endspurt des Sets darstellen. Zum Abschluss der knapp 45 Minuten andauernden Show gab es noch einmal ein schweißtreibend performtes „Runnin‘ Wild“, welches der Truppe einen riesigen Abschiedsapplaus einbrachte. 

Alles Warten hatte nun ein Ende! Mit Judas Priest standen die absoluten Headliner des Festivals auf den Brettern der MainStage. Nachdem das gewaltige Banner, welches den Blick auf die Bühne verbarg, gefallen war, legten die Heroen des NWOBHM direkt bockstark mit „You’ve Got Another Thing Comin’“ los. Kein Wunder, dass die Anwesenden den alten Herren ab der ersten Sekunde aus der Hand fraßen. Erhaben und gut bei Stimme stolzierte Sänger Rob Halford über die riesige Bühne, während seine Mannen ihn beim Posen kräftig unterstützten. Weiter ging der wilde Ritt über Kracher wie „Breaking The Law“ und „Metal Gods“. Die Stimmung stieg hierbei gefühlt mit jedem Takt. Als aber dann „The Sentinel“ angestimmt wurde, gab es kein Halten mehr. Denn mit diesem Track konnte man einen der besten Metalsongs live erleben, der je geschrieben wurden. Ein wahres Fest, bei welchem jeder noch so hohe Ton vom Publikum mitgesungen wurde. Nicht weniger druckvoll ging es weiter und es wurde Hit nach Hit abgefeuert. „Turbo Lover“, „Steeler“, alle diese Songs passten wie die Faust aufs Auge und wurden fanatisch gefeiert. Dann ging es aber auch schon langsam, aber sicher, zum Ende des regulären Sets, welches natürlich mit einem grandios dargebotenen „Painkiller“ endete. Immer wieder erstaunlich, dass Mr. Halford diesen Track mit soliden 74 Jahren immer noch in seiner vollen Glänze performen kann. Hier sollte aber noch nicht Schluss sein. Nach einer kleinen Verschnaufpause gab es von den Herren noch einmal ein wahres Hit-Feuerwerk. Zu Beginn der Zugabe gab es den Überkracher „Electric Eye“, gefolgt von „Hell Bent For Leather“, welchen Rob Halford standesgemäß auf einer Harley darbot. Das große Finale stellte dann „Living After Midnight“ dar, nachdem sich die Fünf minutenlang in tosendem Applaus baden konnten. Jedem sei geraten, diesen hochklassigen Act noch einmal live zu erleben, solange man noch die Gelegenheit dazu hat.

Seht euch hier unsere Konzertfotos von Judas Priest an:

Seht euch hier unsere Festivalbilder des zweiten Tages an:

 


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