Reload Festival 2026 – Glatte Anreise und Flammenmeer
Das ausverkaufte Reload Festival startete offiziell letzten Donnerstag. Schon der erste Tag konnte mit wahren Highlights des Line-Ups aufwarten. Unter anderen standen Lamb Of God und Arch Enemy auf der Bühne. Natürlich haben wir uns in Getümmel geschmissen und die großen und kleineren Namen abgecheckt.

Sulingen. Nachdem dieses Jahr das befürchtete Verkehrschaos bei der Anreise ausblieb, konnten wir schon zeitig unser Camp beziehen und einen kleinen Spaziergang über das Infield vornehmen. Da einmal Hut ab an die Veranstalter, welche sich diesbezüglich im Vorfeld echt ins Zeug gelegt und ein komplett neues Anreisekonzept auf die Beine gestellt haben. Was im Infield gleich auffiel war, dass der Bereich rund um die PlazaStage ordentlich vergrößert wurde und locker 10m in der Breite dazu gewonnen hat. Ob sich diese Maßnahme auszahlt, würden wir dann später noch erfahren.
Unser Einstieg in das diesjährige Festival waren die Punkrocker von ZSK, welche sich die Ehre auf der gut gefüllten PlazaStage gaben. Nach dem Bannerdrop stürmten die Vier gleich mit hoher Energie voran. Da dauerte es auch nicht lang, bis diese Energie vom Publikum aufgenommen und sogleich der erste Pit gestartet wurde. Gute Laune und ausgelassenes Feiern standen hier ganz klar vorne an, während die Berliner ausgelassen ihren Skatepunk in die Menge feuerten. Songs wie „Antifacista“ und „Sommer ohne Nazis“ wurden lauthals mitgesungen und unentwegt Crowdsurfer nach vorne durchgereicht. Nach knappen 40 Minuten war das Spektakel dann auch schon vorüber und es ging für uns auf schnellstem Wege zurück zur Hauptbühne.
Die MainStage durften dieses Jahr die Metalcorer von Stick To Your Guns eröffnen. Die Kalifornier konnten, trotz der frühen Stunde, schon eine beachtliche Menge vor die Bühne locken. Sogleich wurde der erste Pit zu Songs vom aktuellen Album „Keep Planting Flowers“ gestartet. Passend dazu gab es ein mit Blumen dekoriertes Backdrop. Der hardcorelastige Metalcore ging auf jeden Fall gut ins Ohr und wurde von den Anwesenden gebührend gefeiert. Dennoch verlief die Show leider ohne nennenswerte Highlights.
Als nächstes ging es wieder flott zurück zur kleineren PlazaStage. Hier standen schon die Black-Gazer von Deafheaven im Anschlag. Tief emotional kreischte Sänger George Clarke von der Bühne, während seine Mannen ihn mit atmosphärischen Blackmetal-Riffs unterstützten. Was für ein krasser Kontrast zu den nach Moshpits und Crowdsurfern rufenden Vorgängern! Die Kalifornier schafften, trotz praller Mittagssonne, eine eiskalte Atmosphäre, in welche man einfach tief eintauchen musste. Songs wie „Magnolia“, oder „Doberman“ hinterließen definitiv einen bleibenden Eindruck. Nach knappen 35 Minuten wurde man dann schon aus seinem shoegazeigen Film gerissen und die Truppe rief zum letzten Song „Winona“.
Nun aber schnell wieder zurück zur Hauptbühne. Hier standen die Schweden von Orbit Culture in den Startlöchern. Sofort ging es brachial mit dem Doppelpack „Tales Of War“ und „Death Above Life“ vom gleichnamigen, aktuellen Album los. Die vier Herren hatten ab den ersten Tönen die Sympathie des Publikums auf ihrer Seite. Gleich flogen die Arme in die Luft und die ersten Menschen ließen sich über die Menge in den Bühnengraben gleiten. Auf jeden Fall konnten die Vier, nachdem sie 2023 noch mittags auf der kleinen Bühne zu Gast waren, mächtig an Fans hinzugewinnen. Die gesamte MainStage wurde mit mächtigen Bannern ins Albumdesign gehüllt und es wurde ziemlich eng vor der imposanten Bühne. Weiter ging der Ritt über „From The Inside“ und „North Star Of Nija“, welche das Publikum weiter einheitzten. Leider ging ab diesem Zeitpunkt die Show langsam ihrem Ende zu. Zum Abschluss des mit 40 Minuten leider echt kurz bemessenen Sets, gab es dann noch das grandiose „Vultures Of North“. Nächstes Mal bitte mehr Spielzeit, ansonsten ein klares Highlight des Tages.
Als nächstes auf der Liste standen dann, ebenfalls auf der MainStage, Thy Art Is Murder. Für mich persönlich ein sehr interessanter Act, da die Truppe erst vor knapp zwei Wochen ihren neuen Frontmann Jerry Grimefeld vorgestellt haben und ich mir diese Neuerung keinesfalls entgehen lassen wollte. Mit herausstechendem Sound legten die fünf Herren sogleich mit „Blood Throne“ los. Tief, brutal, versehen mit allerhand Breakdowns, drückten die Australier ihren Deathcore voran. Auch machte der neue Frontmann eine gute Figur und war stimmlich topfit. Obwohl man Jerry Grimefeld optisch eher auf dem Splash! vermutet hätte. Aber egal! Die fünf Herren drückten einen Brecher nach dem Anderen heraus. „Make America Hate Again“, oder „Slaves Beyond Death“ gaben den Anwesenden, wonach diese verlangten. Eine Wall Of Death folgte der nächsten und löste nur Sekunden später den nächsten riesigen Pit aus. Weiter ging es mit „Puppet Master“ und „Keres“. Schon erstaunlich, dass nach 30 Minuten Dauerbewegung, der Höhepunkt noch nicht erreicht war. Diesen sollte der Abschluss des Sets „Reign Of Darkness“ darstellen. Hier war einfach nur Chaos und gegenseitige Zerstörung angesagt. So konnten The Art Is Murder unter tosendem Applaus nach 40 Minuten die Bühne verlassen.
Direkt danach ging’s schnell rüber zur PlazaStage und durch das dichte Gedränge zu Soulfly. Die brasilianische Kult-Truppe legte bretthart mit „Back To The Primitive“ los und die Anwesenden gingen sofort steil. Sänger Max Cavalera war sichtlich angetan von dem Spektakel, welches ihm geboten wurde und drehte noch einmal mächtig auf. Spätestens als die Truppe „Prophecy“ anstimmte, war kein Halten mehr und alle Dämme brachen. Weiteres Anpeitschen seitens Cavalera war ab diesem Zeitpunkt eigentlich nicht mehr nötig, trotzdem forderte er einen Circlepit nach dem Anderen. Dieser Wunsch wurde ihm natürlich dankend erfüllt. Dafür gab es ein grandioses „Favela/Dystopia“ und „Jumpdafuckup“ geboten, welches sogar von einem seiner Söhne am Mikrofon unterstützt wurde. Dann ging es leider schon in den Endspurt und das Set wurde nach knapp 50 Minuten mit „Eye For An Eye“ beendet. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde klar, warum die Vergrößerung des Geländes vor der PlazaStage vorgenommen wurde. Selbst mit dieser wurde es bei einem Act wie Soulfly schon echt eng vor der kleinen Bühne.
Nicht weniger groovig ging es nun auf der MainStage weiter. Hier standen die Schwergewichte von Lamb Of God bereit. Ab der ersten Sekunde war klar, wer heute Chef im Ring ist. Hinterlegt mit gewaltigen LED-Screens und einer Menge Flammen, feuerten die fünf Herren gleich zu Beginn Kracher wie „Laid To Rest“, oder „Ruin“ auf die hungrige Menge ab. Der Moshpit schien Sekunde um Sekunde größer zu werden und eine unmenschliche Anzahl an Crowdsurfern ließ den Sicherheitskräften im Bühnengraben kaum Zeit zum Verschnaufen. Die Menge schob sich unentwegt weiter Richtung Bühne, sodass kaum ein Zentimeter Luft übrig blieb. Sänger Randy forderte alles vom Publikum und das Reload lieferte. Der Doppelpack aus „Now You’ve Got Something To Die For“ und „512“ schob dermaßen nach vorne, das einem schon beinahe schwindelig werden konnte. Zum Glück fächerte einem die riesige Wall Of Death ein wenig Sauerstoff zu. Ein wahres Flammenmeer bot sich dann während „Walk With Me In Hell“. Wo das Auge hinblickte, waren über das gesamte Infield riesige Flammen verteilt, während auf der Bühne zahlreiche Pyro-Effekte gezündet wurden. Nach ein paar Songs vom aktuellen Album „Into Oblivion“, welche ebenfalls dankend angenommen wurden, ging es nun zum großen Finale. Bei „Redneck“ gab das gesamte Festival noch einmal alles. Ich habe schon lange nicht mehr so einen massiven Circlepit gesehen, während eine annähernd dreistellige Anzahl an Menschen sich über die Masse gleiten ließ.
Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es nun an den Headliner des Tages. Arch Enemy legten fulminant mit „Yesterday Is Dead And Gone“ los. Nach dem Bannerdrop zeigte sich die ebenfalls mit riesigen LED-Screens übersäte Bühne. In diesem Fall aber in jeweils zum Album passenden Visuals. Ebenfalls konnten die Herren um die neue Frontfrau Lauren Hart mit grandiosem Sound aufwarten. Extrem gut bei Stimme, preschten die Fünf durch ein wahres Best-Of-Set, durch alle Epochen der Band. Sehr schön zu sehen, dass nun auch wieder Songs aus der „Angela“-, oder sogar „Johan Liiva“-Ära im Repertoire sind. Songs wie „My Apocalypse“, oder „Under Black Flags We March“ wurden mit Bravour dargeboten. Trotzdem merkte man dem Publikum langsam die Müdigkeit an. Kein Wunder, wenn man das dargebotene Energielevel bei LoG beachtet. Arch Enemy zogen aber unentwegt professionell ihren Stiefel durch. Auch, wenn die vorderen Reihen deutlich lockerer besucht waren, als bei ihren Vorgängern. Grandios wurde das Doppelpack „No Gods, No Masters“ und „Blood On Your Hands“ dargeboten. Langsam aber sicher ging es dann in den letzten Akt der insgesamt 90 Minuten andauernden Show. Natürlich durfte da auch die Bandhymne „We Will Rise“ nicht fehlen, bei welcher die Anwesenden noch einmal alles gaben. Den Abschluss gab es dann klassischerweise mit „Nemesis“, was die Band nutzte, um ihre neue Sängerin gebührend feiern zu lassen.
Zum Abschluss des Tages wurde auf der PlazaStage noch ein wenig Kontrastprogramm geboten. Perturbator boten Retro-Synth und eine imposante Lichtshow. Die beiden Herren aus Paris standen auf zwei beweglichen Podesten, gerahmt von minimalistisch auf das Bühnendach gerichteten Spots. Die Elektrobeats konnten den Verbliebenen noch die letzte Energie aus den müden Tanzbeinen kitzeln. Songs wie „Humans Are Such Easy Prey“, oder „Apocalypse Now“ gingen auf jeden Fall elegant ins Ohr. Das gesamte Set wirkte sehr homogen und wurde ohne Unterbrechung oder Ansagen durchgezogen. Man fühlte sich eher an eine Kraftwerk-Performance erinnert, als eine Show nachts um 1 Uhr auf einem Metalfestival. Die Anwesenden feierten die beiden fanatisch ab. Die späte Stunde war aber dennoch spürbar. Nach knapp 50 Minuten war die atmosphärische Show vorüber und die letzten Nachtschwärmer zogen Richtung Campingplatz.
Seht euch hier unsere Festivalbilder des ersten Tages an:
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