Red City Radio – „Titles“

Quartett aus Oklahoma City liefert Song des Jahres, Punkrockalbum des Jahres und mehr Laut Schreien. Wütend die Faust in die Luft recken. Mittrommelnde Finger. Fest stampfende Füße. Die ersten beiden Tracks auf des neuen Red-City-Radio-Albums sind stark, einprägsam, regelrechte Hymnen mit Hitpotenzial. Da zucken die Muskeln. Doch dann. Dann kommt „Show me on the doll […]

Quartett aus Oklahoma City liefert Song des Jahres, Punkrockalbum des Jahres und mehr

Laut Schreien. Wütend die Faust in die Luft recken. Mittrommelnde Finger. Fest stampfende Füße. Die ersten beiden Tracks auf des neuen Red-City-Radio-Albums sind stark, einprägsam, regelrechte Hymnen mit Hitpotenzial. Da zucken die Muskeln. Doch dann. Dann kommt „Show me on the doll where the music touched you“. Es soll der bester Songtitel des Jahres 2013 sein, schreiben bereits die Ersten. Zu Recht. Ein Kracher.
Unaufhaltsam prügelt dieser Song dem Hörer ins Ohr: Definiere die Unmöglichkeit neu. Mach das, was du fühlst. Lass dich nicht stoppen. Ein extrem treibendes Schlagzeug, eine Wand an Gitarrenriffs und diese rau, geschrienen Stimmen brechen die Widerstände im Ohr, im Kopf. Bis sie tief in den Windungen des Gehirnes stecken. Wenn Bands wie No Use For A Name oder Blink 182 melodischen Punkrock machen, wenn Hot Water Music den Post-Hardcore aus Gainesville definiert hat, dann muss für diesen Song, dieses Album ein neues Genre erfunden werden.

Aber ganz ruhig. Und von vorne: Die Band Red City Radio veröffentlicht über das Bremer Label Gunner Records ihr Album „Titles“. Ihr Debütalbum „The Dangers Of Standing Still“ wurde gefeiert, war ein Liebling der Kritiker. Das aus Oklahoma City stammende Quartett erinnert an Hot Water Music oder The Lawrence Arms, der kraftvolle Gesang an Chuck Ragan. Garrett Dale (guitar/vocals), Paul Pendley (guitar/vocals), Jonathan Knight (bass/vocals) und Dallas Tidwell (drums/vocals) waren alle selbst als Leadsänger mit eigenen Bands unterwegs und funktionieren doch erst so richtig, seit sie zusammen Musik machen. Im Kollektiv statt als Ego-Ding. Vier starke Stimmen statt einer.

Die Songs sind allesamt präzise und stimmig in ihrer Komposition. Tempogetrieben, melodisch, schnell, abwechslungsreich und voller Ideen. Die Hymnendichte ist riesig auf dem zehn Sogs beinhaltenden Album „Titels“. Das grenzt fast an Verschwendung. Alles strotzt nur so vor Kraft. Vor allem der mehrstimmige Gesang. Mit „Two Notes Shy Of An Octave“ und „A Version Of Events“ startet das Album fulminant. Bloß kein Stillstand. Und dann eben der oben beschriebenen Übersong. Auch die weiteren sieben Stücke sind groß. Keine Langeweile, kein Song der übermäßig in der Qualität abfällt.

Stephen Egerton (Descendents, All) soll maßgeblichen Anteil daran haben, dass die neuen midtempo Rock-Einflüssen hinzukamen. Kandall Stephens produzierte das Album, Alan Douches (Converge, Kvelertak) übernahm das Mastern. Die Texte sind lebensbejahend, mutmachend. Getreu dem Motto: „Gibt es etwas in deinem Leben, dass du nicht magst oder das dich stört? Dann ändere es.“ Es geht um Persönliches, Erlebtes. Hier etwas ruppiger, da ein stückweit fröhlicher. Und immer emotional. Zum Mitschreien eben. Die Platte kaufen 11,90 Euro. Ein guter Schallplattenspieler etwa 1000 Euro. Diese Musik hören – unbezahlbar. Das Punkrock-Album des Jahres!

Am 11. Oktober 2013 erscheint das Album auf rotem Vinyl limitiert auf 400 Stück sowie auf CD über das Bremer Liebhaberlabel Gunner Records.

Red City Radio – „Titles“

01. „Two Notes Shy Of An Octave“
02. „A Version Of Events“
03. „Show Me On The Doll Where The Music Touched You“
04. „Joy Comes With The Morning“
05. „A Joke With No Words“
06. „Don’t Be A Hero, Find A Friend“
07. „Purple Heart Paperweight“
08. „I’ll Take A Mile“
09. „We Know Who We Are“
10. „The Silence Between“


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