„Manchmal sind wir musikalische Messies“

Pünktlich zum Release ihrer Debüt-EP „Du musst an den Frühling glauben“ haben wir die jungen Newcomer und Durchstarter von Jeremias zum Interview getroffen.

Foto: Martin Köhler

Bremen/Hannover. Im Alter zwischen 19 und 21 Jahren überraschen Jeremias mit ihrem frischen und spannenden Disko-Funk mit deutschen Texten. Nun steht die erste Veröffentlichung an. Freitag erscheint die Debüt-EP „Du musst an den Frühling glauben“, die sie gemeinsam mit Produzent Tim Tautorat in den Hansa-Studios in Berlin aufgenommen haben. Nach einem ausgedehnten Festivalsommer mit namhaften Bühnen und Support-Shows (u.a. für Giant Rooks) waren Jeremias kürzlich als Vorband für Cassia im Tower Musikclub zu Gast. Im Februar 2020 geht es auf große Deutschlandtour quer durch die Clubs der Republik. Dabei spielen sie in Hannover, Hamburg, Osnabrück und Göttingen.

Euer erster Auftritt in Bremen liegt erst vier Wochen zurück. Wie war euer Konzert beim Horn To Be Wild?

Ben: Ich erinnere mich an ein kleines, süßes, schön gemachtes Festival. Nur das Wetter hat leider nicht so mitgespielt.

Jonas: Wir haben Fibel dort das erste Mal live gesehen und sind immer noch richtig geflasht von denen.

Freitag erscheint eure Debüt-EP. Drei der fünf Songs sind schon bekannt, was erwartet uns neben den Singles noch?

Jeremias: Eine andere Facette von uns – es wird ein bisschen ruhiger und schmusiger, etwas melancholischer, ohne dabei den Groove zu verlieren. Praktisch die Kehrseite von den schnellen und gut gelaunten Songs, die wir vorab rausgehauen haben.

Produziert hat die EP Tim Tautorat, der zuletzt mit Provinz und zuvor mit Faber und AnnenMayKantereit zusammengearbeitet hat. Welche Einflüsse bringt er in eure Songs?

Olli: Er hat in unserer Musik ganz viel aufgeräumt.

Jeremias: Ich glaube, wir bringen als Band schon recht viele Ideen und Content mit. Die Kunst ist es, einen externen Menschen zu haben, der Sachen konsequent rausschmeißen kann. Alleine sind wir da manchmal musikalische Messies.

Ben: In unserer Single „Alles“ waren in der Ursprungsversion beispielsweise schon drei verschiedene Bass-Gitarren-Wechselspiele in den ersten 30 Sekunden, also viel verkopfter als wir es schlussendlich aufgenommen haben.

Nächstes Jahr steht eure erste Headliner-Tour mit 17 Konzerten in vier Wochen an. Mit welchen Gefühlen blickt ihr auf den Monat Februar?

Jonas: Mit purer Vorfreude!

Ben: Wir haben heute schon ein weinendes Auge, da es die letzte Show mit Cassia und damit unser Tourabschluss für dieses Jahr ist.

Olli: Wir waren noch nie so lange wie jetzt am Stück unterwegs und das waren nur sechs Shows. Wie es dann wohl nach 17 Konzerten aussieht?

Jonas: Gerade sind wir noch relativ fit, wir dachten es würde mehr schlauchen.

Ihr spielt ambitionierte Clubgrößen, unter anderem im Musikzentrum in eurer Heimatstadt Hannover. Eure Reichweite bei Facebook ist wiederum nicht viel größer als die von lokalen Acts. Wie werden die Leute auf eure Musik aufmerksam?

Jeremias: Auf jeden Fall nicht über Facebook!

Ben: Besonders wichtig ist es, viel rumzukommen und die Leute live zu überzeugen.

Jeremias: Ich glaube, die Support-Shows mit Cassia bringen recht viel, weil wir die Leute wirklich abholen und einen Vorgeschmack auf unsere eigenen Konzerte präsentieren können.

Jonas: Wenn man in diesem Social-Media-Raster bleibt, dann ist die Generation eher bei Instagram.

Olli: Unser Festivalsommer hat uns zusätzlich gut getan, weil wir viele Bühnen bespielt haben und so hoffentlich ein paar Leute für uns gewinnen konnten.

Jeremias: Das Musikzentrum ist realistisch, aber in vielen anderen Städten wird es auch für uns spannend. Es ist gut, dass wir die Ambition haben und lieber etwas größer denken. Bis dahin sind es noch vier Monate und jetzt steht die Veröffentlichung unserer Debüt-EP noch an.

Jeremias ist der Name eures Sängers und gleichzeitig der Bandname. Rückt ihr ihn damit bewusst in den Vordergrund der Band?

Jeremias: Überhaupt gar nicht! Das ist eher aus der historischen Geschichte der Band gewachsen und weil nicht die Notwendigkeit da war, sich einen Namen konkret und bewusst auszudenken, der weiter hergeholt ist.

„Schön diffus, was alles vor uns liegt“ – was liegt in diesem Jahr noch vor euch?

Jonas: Ganz viel Songwriting! Wir haben vorhin im Bandbus schon darüber geschnackt, wie eine zweite EP aussehen könnte. Einige neue Songs haben wir schon geschrieben, weitere sollen folgen. Wir werden die nächsten drei Monate also weniger unterwegs sein und uns mehr im Proberaum einschließen.

Jeremias: Die erste EP ist für uns jetzt abgeschlossen, alle Songs sind draußen. Jetzt haben wir endlich wieder Zeit, in Ruhe in den Proberaum zu gehen und auch mal stundenlang nur zu jammen. Das ging ein wenig verloren, da wir wirklich viel unterwegs waren in den letzten Monaten.

Vorhin lief Thees Uhlmann bei euch im Tourbus – welche Musik hört ihr noch, wenn ihr unterwegs seid?

Olli: Parcels, Tom Misch und Men I Trust fallen mir spontan ein – eine sehr zu empfehlende Band aus Kanada! Queen läuft sowieso, ab und zu auch deutsche Musik wie Clueso und Herbert Grönemeyer. Da sind viele verschiedene Interpreten dabei!

Jeremias sind Jeremias Heimbach (Gesang & Keys), Oliver Sparkuhle (Gitarre), Ben Hoffmann (Bass) und Jonas Herrmann (Drums).

Die Debüt-EP „Du musst an den Frühling glauben“ ist ab Freitag überall erhältlich.

Alle 17 Termine im Februar 2020 und Tickets gibt es auf www.jeremiasmusik.de.

 


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