Frank Turner im Interview: „Du musst inspiriert werden“

Claas hat das Buch „The Road Beneath my Feet“ von Frank Turner ins Deutsche übersetzt. Im Interview spricht er mit dem Singer-Songwriter über das Werk und die Übersetzung.

Voll berufstätig. Familienvater. Schreiber für Magazine wie das OX und Trust. Einer der Macher bei hb-people.de. Stets beschäftigt. Stets unterwegs. Claas hat eigentlich keine Zeit. Dennoch hat er in knapp zwei Jahren nebenbei ein Buch übersetzt. „The Road Beneath my Feet“ heißt das Werk des englischen Singer-Songwriters Frank Turner. Ein Bestseller in England. Claas hat Zeile für Zeile ins Deutsche übersetzt. Hat sich einen Verlag gesucht. Bilder gesucht. Kontakt mit Frank Turner gehabt. Hat alles mehrfach überarbeitet. Er hat einfach mal gemacht. Jetzt erscheint das Buch auch Deutsch. In einer Übersetzung von Claas. Das Buch ist mittlerweile auf dem Markt. Claas hat natürlich bei Frank Turner nachgefragt. Hier das exklusive Interview, nur bei uns. Das Buch ist mittlerweile überall im Handel verfügbar.

Was wird es für ein Gefühl sein, sein eigenes Buch in den Händen zu halten, in einer Sprache geschrieben, die Du nicht verstehst?

Frank: Das ist faszinierend für mich. Ein Teil von mir will die Übersetzung nutzen, um besser Deutsch zu lernen (oder wenigstens lesen zu können). Obwohl ich zugeben muss, dass es ein ziemlich introvertierter Weg wäre. Hoffentlich ist es ein guter Ansatz. Ich vertraue Dir da.
Das Englische Original ist zwei Jahre alt und die letzte, beschriebene Show ist #1217. Hast Du seitdem weitergeschrieben und ist ein zweiter Teil geplant?

Frank: Ich habe das Buch eher aus meiner Erinnerung geschrieben und mich nicht an Notizen entlanggehangelt. Es war gut, es aufzuschreiben, weil ich wahrscheinlich manche Dinge sonst irgendwann vergessen hätte. Ich habe mir also viel eher gedankliche Merkzettel geschaffen, wenn Du so willst. Also denke ich, der erste Teil meiner Geschichte, ist der interessantere Teil, also der, der im Buch steht – mit nichts anzufangen und irgendwo ankommen. Ich glaube, mein Leben auf Tour hat mehr mit Arbeit zu tun, als die meisten Menschen denken und wahrscheinlich ist die Geschichte ab Wembley für den Leser weniger interessant. Nicht, dass die Shows schlecht waren, nur die Geschichten dahinter sind vielleicht langweiliger. Ich würde gerne irgendwann ein anderes Buch schreiben, vielleicht übers Liederschreiben.

Eins meiner Lieblingskapitel im Buch ist das, indem Du beschreibst, wie Du einen politischen Song schreiben willst, auch um Dich bei einer bestimmten Szene einzuschmeicheln. Später sagst Du allerdings: Du willst keine politischen Lieder mehr schreiben. Nun kam „Sand in the Gears“ raus. Sind diese Zeit so hart, dass die eigenen Regeln über Bord geworfen werden müssen?
Frank: Eine der wichtigsten Sachen beim Songwriting ist, Du musst inspiriert werden. Für eine sehr lange Zeit empfand ich Politik als ein eher langweiliges Feld, um darüber zu schreiben. In den letzten Monaten hat sich die Welt verändert und meine Sicht auf Politik mit ihr. Außerdem wollte ich eh etwas ändern und mich nicht immer nur auf ein Thema festlegen lassen.

Im Buch beschreibst Du oft, dass Du häufig gefragt wurdest, was Dein Durchbruchsmoment war und meistens antwortetest Du, dass es diesen einen Moment eben nicht gab. Für mich war es allerdings das Wochenende, als du zwei Shows mit Green Day in UK und Hurricane / Southside Festival in fünf Tagen gespielt hast. Ich erinnere mich, wie ich an diesem Wochenende vor dem Computer saß und täglich Deine Blogeinträge gelesen habe und dachte: Das wird noch richtig groß! War dieses Wochenende nicht doch so was wie eine Wende in Deiner Karriere – hin zu Größerem?

Frank: Ja, ich denke schon. Vor allem erinnere ich mich noch sehr gut daran. Es war einfach verrückt und wir spielten vor einem riesengroßen Publikum. Die Green Day Shows waren einer der größten Wendepunkte in meiner Karriere. Noch immer treffe ich Menschen, die mir erzählen, dass sie mich bei einer dieser Shows kennengelernt haben.

Wenn Du eine Person, die Du im Buch erwähnst und seitdem nicht mehr getroffen hast, wiedersehen könntest – wer wäre das?

Frank: Das ist eine sehr gute Frage: Wahrscheinlich einige meiner Freunde aus Russland und Osteuropa. Ich war in den letzten Jahren nicht sehr häufig dort. Arbeite aber daran, dass zu ändern.

Am Ende das Buchs schreibst Du: Zeit und Erinnerungen sind komische Geister. Wenn Du nun zurückschaust, würdest Du etwas ändern?

Frank: Ich glaube dieses “was wäre wenn” bringt nicht viel. Die Sachen passierten, wie sie passierten. Tief greifender sind die Lehren, die ich daraus ziehen konnte. Außerdem war es meistens ganz witzig. Das Einzige was ich wirklich ändern würde wäre, meinem jüngeren Ich zu sagen, mehr auf sich aufzupassen, mehr Sport zu machen. Meine Verletzungen werden jedes Jahr schmerzhafter.
Zum Schluss etwas ganz anderes: Hast Du schon Studiozeit gebucht? Wann kommt Dein neues Album? Und wird es thematisch immer noch über verschiedene Frauen sein?

Frank: Ich arbeite am neuen Album, während ich Deine Frage beantworte. Das Konzeptalbum über historische Frauen ist fertig geschrieben, aber daran arbeite ich nicht. Ich habe einen Haufen anderer Songs und freue mich darauf. Einige würdest Du als politisch bezeichnen, andere nicht. Musikalisch arbeite ich daran neue Sounds zu erobern, die man so von mir vielleicht nicht kennt. Ich bewege mich aus meiner Komfortzone raus. Das ist spannend.

 

 


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