Werder-Fan Raack macht aus Mario Basler einen „Super-Typ“

Die Biografie des Ex-Bremers ist auch ein herausragendes Buch über Werder Bremen in den 90ern

Das Basler-Buch. Foto: Timo von den Berg

Mario Basler liest keine Bücher, trotzdem schreibt er via Autotelefon mit Fußball-Journalist Alex Raack eine der charmantesten Bremer Fußball-Biografien. Vom Schaffensprozess erzählte er Ende September auch in der Radio-Bremen-Kult-Sendung  „3 nach 9“.

„Treffen sich Mario Basler und der Typ aus dem 11-Freunde-Ticker auf dem Herrenklo“, so ähnlich könnten Geschichten anfangen, die vom Schreiben der Biografie „Eigentlich bin ich ein Super-Typ“ handeln. Im Idealfall wäre noch Otto Rehhagel reingekommen und einer von beiden hätte später einen Vertrag bei Werder Bremen unterschrieben, aber ganz so war es leider nicht. Die beiden haben sich nicht zufällig getroffen,  es kam kein Bremer Meistertrainer rein und es war ein Raststätten-Klo statt ein WC auf dem kultigen DFB-Hallenmaster in Berlin. Doch es ist genau dieser Charme, den das Werk versprüht.

Der Celler Werder-Fan, das Ex-11-Freunde-Redaktionsmitglied und der jetzige freie Fußballjournalist und Autor Alex Raack, der auch schon die Biografie des ehemaligen Basler-Mitspieler Uli Borowka geschrieben hat, durfte als sogenannter Co-Autor fungieren. Gemeinsam haben sie die Memoiren eines der herausragenden Rechtsfüße der Fußball-Bundesliga geschrieben. Basler erzählte hauptsächlich am Autotelefon auf seinen zahlreichen Fahrten durch Deutschland aus seinem Leben. Raack schuf daraus ein Werk, das nicht nur als veritable Replik auf das 90er-Jahre-Fußball-Showgeschäft gelten darf, sondern auch noch aus der Sicht eines seiner wichtigsten Darsteller stammt. Die Rolle des ehemaligen 11-Freunde-Mannes darf in dem Buch nicht unterschätzt werden. Er schafft es, die teilweise recht prollig rüberkommenden Worte vom Fußballer, dem nachgesagt wurde, dass er vom Hals abwärts Welt-, aber darüber hinaus nur Kreisklasse war, auf rund 300 Seiten zu einem interessanten Sachbuch zu verwandeln. Es zeigt sich nach der Borowka-Biografie erneut, dass Alex Raack einer der ganz großen Fußball-Autoren werden kann. Er schreibt wunderschön warm in rotzigen Fußballbildern, so wie in seinem Vorgänger-Werk „Alles aus Liebe – Eine Reise ins Herz des Fußballs“.

Werder-Fans lernen die ehemalige Bremer Kurzzeit-Legende Mario Basler wieder lieben, wenn er von seiner Ankunft in Bremen, seinem Aufstieg und den großen Namen in seinem Team plaudert und sie werden von ihm nochmals vergrätzt, wenn er über die miese Zeit rund um Aad de Mos und seinen Abgang berichtet. Viele wohlige und traurige 90er-Jahre-Gefühle fernab von Mr. President kommen in einem hoch. Es ist eher der Wunsch nach DBV-Trikots oder dem Jingle der Hansawelle („Hier ist Radio Bremen. Hansawelle für Sie“). Irgendwie müsste dann auch jeden Moment „ran Sat 1 Fußball“ anfangen und das kurzzeitige Werder-Maskottchen, die Möwe „Werdi“, könnte um die Ecke kommen.

Baslers Erzählungen werden durch sachliche Beschreibungen des Sportjournalisten und die Aussagen ehemaliger Mitspieler eingeordnet. Besonderes Highlight ist das standesgemäße Vorwort von König Otto Rehhagel selbst, doch auch viele interessante ehemalige Mitspieler (allen voran Hansi Gundelach), deren Namen und Worte man gern noch einmal liest, kommen zu Wort. Baslers Wunsch allen zu zeigen, dass er eigentlich ein Super-Typ ist, geht genau deshalb auf. Der Leser behält seine kritische Sicht auf den eigenwilligen Zauberfuß. Er wird zum sympathischen Genie, weil er eben nicht die ganz großen Erfolge gefeiert hat, sich nie zum ganz großen Nationalspieler hochgearbeitet hat und auch sein Erfolg als Trainer eher auf dem Level von Lothar Matthäus blieb. Stattdessen kassierte er Strafen und Beurlaubungen, um Kollegen herauszuboxen, tolerierte, dass Bremer Mitspieler auf seinen Namen ins Freudenhaus gingen und betreibt mit seinem Buch Werbung für die herausragende Bremer Kneipenkultur.

Derzeit stehen auch die Veröffentlichungen über die Bremer Legenden Miroslav Klose und Claudio Pizarro in den Regalen der hanseatischen Buchläden. Wenngleich Letzterer ein grün-weißer Held ist, der ebenfalls keine Party scheute und Klose immerhin Weltmeister wurde, das Super-Mario-Werk ist viel lebendiger, viel näher am Spieler, am Menschen selbst. Die teilweise verletzlichen, teilweise großkotzigen und oft wahnsinnig pointierten Ausführungen stammen ganz persönlich vom selbst ernannten besten Fußballer seiner Zeit. Raack schafft es dem Leser das Gefühl zu geben mit am Hörer zu sitzen, wenn der Europa-Meister ohne Medaille aus dem Auto anruft und ihm seine zotigen Geschichten erzählt.

Haptisch fühlt sich das Buch gut an. Die Schrift des Titels kommt einem entgegen. Basler posiert vorn lässig in schwarzer Lederjacke und hinten zwei Mal im Werder-Trikot, als hätte es den Abgang und den FC Bayern nie gegeben. Wer auf geile Typen, die 90er und Geschichten über verzweifelte Helden steht, der sollte sich Baslers Oeuvre mal vornehmen.

Termin

Am Dienstag, 24. März 2020 (Einlass: 19:00 Uhr) gibt es übrigens die dazugehörige Liveshow „Basler ballert“ im Pier 2 vom örtlichen Veranstalter: Kulturbüro Bremen Nord. Tickets gibt es hier.


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