Kolumne: Du Papa …

Time to say Ahoy

Abschied ist immer 'ne doofe Sache. Da kann man noch so rumfloskeln, Menschen gehen zu lassen tut immer weh.

Meine Tochter ist gerade wirklich tottraurig. Ihr bester Freund aus der Schule verlässt zusammen mit seiner Mutter Bremen, um nach Berlin zu ziehen. Gerade erinnert sich meine Kurze ganz viel an die gemeinsame Zeit und lässt einigen Kwatsch, den die beiden zusammen erlebt und verzapft haben, Revue passieren.

Ich kann mich noch ganz gut an Lil‘ Zens erste Woche in der Grundschule erinnern. Unsicher war sie, zumal ihre Bezugsgruppe aus dem Kindergarten – bis auf zwei Mädels – quasi nicht mehr vorhanden war. Der Schulplatz war uns aufgrund des Einzugsgebiets auf’s Auge gedrückt worden, eine Klage, um sie auf die neben dem Kindergarten gelegene Schule zu bekommen, scheiterte leider.

Nun war mein Kind auf einmal groß. Eins von den Schulkindern. Und stand an den ersten Tagen trotzdem unsicher auf dem Schulhof, als sie auf mich wartete. Irgendwann wuselte aber ein kleiner Kerl dauernd um sie herum, der ganz verzückt von meiner Tochter zu sein schien. Als er sich dann von Lil‘ Zen mit den Worten „Tschüss, meine Verliebte“ verabschiedete, musste ich grinsen und fragte natürlich auf dem Heimweg, wer das denn gewesen sei. Sie sagte dann, dass – nennen wir ihn mal so – Tom in die Paralellklasse geht und plötzlich auf dem Schulhof neben ihr stand und die beiden zu spielen anfingen. Das fanden beide gut und über die letzten vier Jahre entstand so eine Freundschaft, die mMn. ihres gleichen sucht. Ich, in meiner Rolle als gehässiger alter Mann, hab ich die beiden oft mit ’nem alten Ehepaar verglichen. So sehr sie sich lieben, so sehr zicken Sie auch manchmal rum, egal ob beide auf’n Mal, oder nur einer von beiden.

Dadurch, dass wir alle (noch) recht nah beieinander wohnen, haben die beiden wirklich viel Zeit miteinander verbracht. Verabredungen gingen durch die Nähe immer spontan und das haben die beiden wirklich ausgenutzt. Voll gut!

Nun steht als der Abschied an. Jaja, keiner ist für immer, Blublab. Aber die beiden nimmt das mit. Bremen<>Berlin ist nun keine Entfernung und die nächste Verabredung für die Geburtstagsparty von Lil‘ Zen im Februar steht schon, aber dennoch reift die Erkentnis, dass der Andere gerade schwindet. Sind auch alle Kommunikationsmöglichkeiten da, wissen die Kurzen – zumindest unterschwellig – dass trauigerweise „Aus den Augen“ auch oft wirklich „aus dem Sinn“ bedeutet. Gerade, wenn ein Umbruch im Leben stattfindet, wie z.B. eben eine neue Schule oder ein Umzug, sind die Aufmerksamkeiten dann eher woanders.

Ich wünsche den beiden Lütten wirklich, dass sie Ihre Freundschaft auch über die ~400km bewahren. Vielleicht über Skype, mit möglichst vielen Besuchereien oder auch mit dem guten alten Brief. Und versuche natürlich dabei zu unterstützen. Akut werden wir jetzt erstmal ein schönes Abschiedsgeschenk vorbereiten. 🙂


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