Kolumne: Du Papa …

Stell Dich nicht so an …

Ich bin heute morgen das gefühlt erste Mal in neun Jahren aus der Haut gefahren. Bemühe ich mich ansonsten auch in Stresssituationen um Contenance und eine ruhige Ansprache meiner Tochter, war’s heute einfach zuviel.

Un 07.00 Uhr hab ich die Lütte geweckt und sie kam – Oh Wunder – nicht aus der Koje. Während des Frühstücks, während dem Zähneputzen und während des Anziehens kam dann gefühlt 34211 mal der gleiche Satz: „Früh aufstehen ist so doof, ich bin noch sooo müde“. Die ersten Male habe ich noch wohlwollend mit „Ja, find ich auch. Voll doof, ich würd auch lieber noch schlafen!“ kommentiert, aber irgendwann hatte ich den Kanal voll und sagte ziemlich deutlich:

Stell Dich nicht so an! Ich bin schon ’ne ¾-Stunde länger wach als Du, hab Dir Frühstück gemacht, Dir dein Schulbrot vorbereitet und muss auch zur Arbeit, obwohl ich keinen Bock hab. Und das jeden Morgen!

Digge digge Luft, Digger!

Wahrscheinlich hab ich mich am meisten erschrocken und daran, dass ich gerade diese Zeilen schreibe, sieht man ganz gut, dass ich mit solchen Reaktionen meine Probleme habe!

Das ist an sich eine astreine Alltagssituation, klar. Nur frag ich mich, wie das kommt.

Nun, zum Einen bin ich krank. Anfang der Woche lagen wir beide flach, so richtig. Die Kurze hat sich dann, Lemmy sei Dank, erholt und geht seit gestern wieder zur Schule. Bei mir gehts seit Vorgestern erst so richtig los, mit Körperbruch und dichtem Kopp. Die letzten beiden Tage habe ich mich durch den Alltag geschleppt und zusätzlich noch zwei weiterführende Schulen angeschaut, inkl. Elternabende. Hinzu kommt dann natürlich noch der alltägliche Wahnsinn, sollte aber eigentlich kein Problem sein. Heute aufzustehen war hart. Wirklich hart. Aber natürlich muss das sein. Mein Partner in Sachen Kind bin ja nun mal vorrangig ich. ¯(ツ)

Zum Anderen – und ich denke, dass war ausschlaggebend – waren wir heute morgen kein Team. Ich glaube das hat mich ein wenig, zusätzlich zum maladen Geisteszustand, aus der Bahn geworfen. Lil’ Zen und ich rocken eigentlich den gesamten Alltag mit all seinen Tücken und Vorzügen gemeinsam. Meine Tochter ist mit ihren neun Jahren so unfassbar verantwortungsbewusst und feinfühlig, aber das sollte nicht zum Selbstverständnis werden. Denn der Motivator, Verantwortliche und Fels in der Brandung bin in unserem Zweiergespann nun mal ich. Heute morgen ist das wohl leicht in den Hintergrund getreten. Kann ich einer Neunjährigen schlechte Laune und übermäßige Muffeligkeit übel nehmen? Die klare Antwort ist nein. Wahrscheinlich muss ich ihr nur klarer verständlich machen, dass auch Vaddis eine Grenze der Belastbarkeit haben und auch diese Übergeschöpfe (höhöhöh) manchmal die Coolness verlieren. Und das eben nicht böse meinen.

Wahrscheinlich mach ich mir da vielmehr ’nen Kopp drum als die Kurze. Aber ich finde es wichtig solche Situationen nochmal zu reflektieren und zu hinterfragen. Nachher nach der Schule werd ich das nochmal ganz kurz thematisieren. Und dann is auch jut!

Wie geht Ihr mit sowas um? Langsam bis 3 zählen? Ohropax? Kanne Kaffee auf Ex?


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