Kolumne: Du Papa …

Der Schultornister (Lat.: bursa scholae)

Es gibt nur eines, das schlimmer aussieht, als ein Festival-Campingplatz nach Abreise der Gäste auf 'nem Montag: Den Schultornister! Eine verzweifelte Zusammenfassung.

Endlich gefunden: Das Bernsteinzimmer

Ein Quell der ewigen elterlichen Freude stellt der Schultornister des emsig lernenden Nachwuchses dar. Konträr zum Umstand, dass das sorgende Elternteil die jährlich eintrudelnden Rüstlisten der Schule akribisch umsetzt und sogar den blassrosa-gestreiften Schnellhefter für eventuelle Milchbestellungen beim Hausmeister über nahezu illegale Umwege aus dem umliegenden Ausland besorgt, steht zuerst mal die Umsetzung der vorgesehenen Ordnung des prepubertären Sprosses. Denn hier gilt die Faustformel:

(Anzahl der Ordner x abzuheftendes Material)² = Anzahl der lose verwahrten Arbeitsblätter

So ist dem treusorgenden Elternteil der Blick in die Schultasche schon von dieser Warte aus ein Greuel. Wichtige Mitteilungen gesellen sich Eselsohr an Eselsohr zu Matheaufgaben aus der Vertretungsstunde und Zeichenentwürfen aus dem Kunstunterricht. Gerade bei Mitteilungen der Schule und terminlich zu bearbeitenden Hausaufgaben kann man bei der Sichtung und Herausnahme der Papiersammlung davon ausgehen, dass bei einer höheren Anzahl von Knicken und Rissen stets eine hohe Dringlichkeit vorliegt und somit umgehendes Handeln erforderlich ist.

Nun wären die vorgenannten Faktoren noch einfach zu überblicken, wäre da nicht die Nemesis des ordnungsliebenden Elternteils: Der Schulkiosk! Eben dieser Joker unter den Superschurken sorgt durch stetige und nachhaltige Infiltration des Schulrucksackes durch Bonbonpapier, einzelne Kaugummis ohne Verpackung und angebissenes Süßgebäck nicht nur für eine reziproke Minimierung des Taschengeldes, sondern auch für zuverlässiges Chaos und vereinzelte Feuer in der Tasche. Es gibt die Legende, dass das verschwundene Bernsteinzimmer sich in einem bundesdeutschen Schulrucksack befindet, aufgrund der glänzenden Beschaffenheit von Mentos-Verpackungen und den der Sichtung hinderlichen, damit zusammenhängenden, Reflektionen bisher aber nicht zuverlässig verortet werden konnte. Auch von lange vermisster Beutekunst ist in Zusammenhang mit Schultornistern oft glaubhaft die Rede.

Auch wenn die vorgenannten Mythen sicher in der Wahrheit zu verorten sind, stelle ich hier und jetzt (Achtung: Aluhut auf!) eine nicht abzustreitende Verschwörungstheorie auf: Schnellhefter sind absichtlich viel zu schwer zu handhaben, der Müll in den Schultaschen dieser Welt wird bewusst von Herstellern von Tornistern und Rucksäcken wohlwollend in Kauf genommen und durch Subventionierung von Schulkiosken gefördert, um Eltern in regelmäßigen Abständen in den Fachhandel zu treiben, damit sie dort neue Taschenexemplare kaufen. Denn einem gründlichen Chaos in einer Schultasche kann nur durch eine wirksame Methode beigekommen werden: Anzünden.

In der Nächsten Ausgabe: Die Brotdose …


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